Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Fachmänner der Idee
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 91 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherschau 91 Wir brauchen Fachleute, die das Gebiet der öffentlichen Arbeiten aufs intensivste studiert haben und uns so Pläne entwerfen kennen in unserem Geist. Wir verlangen, daß gewisse Rohstoffe: Petroleum (wenn es in größeren Mengen gefunden wird), Phosphate, die Produkte des Toten Meeres, evtl. Baumaterialien in öffentliche Bewirtschaftung genommen werden. Wir brauchen Fachleute, die die Methoden und Erfahrungen auf diesem Gebiet in anderen Ländern studiert haben und uns so Pläne entwerfen in unserem Geist. Wir verlangen, daß die Industrien, die entstehen, nicht den europäischen gleichen, die bisher rein privatkapitalistisch orientiert waren, sondern daß die Gemeinschaft sich weitgreifende Rechte bei der Regelung vorbehält. Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden. Wir verlangen bei den Produktionszweigen, die eine Vergesellschaftlichung nicht ratsam erscheinen lassen, den in irgendeiner Form durchgeführten gemischtwirtschaftlichen Betrieb. Wie viele unter uns, die das Wort vom sozialen Aufbau Palästinas im Munde führen, wissen etwas Näheres darüber, gerade über diesen Punkt, der für die palästinensische Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten entscheidend werden kann? Wir brauchen Fachleute, die dieses Problem in seiner ganzen Ausgestaltung studiert haben und uns so Pläne entwerfen in unserem Geist. Es ist nicht anzunehmen, daß sich die palästinensische Bevölkerung in gewissen Punkten zentrieren wird, sondern wir werden vielmehr eine mehr dezentralisierte Siedelung zu erwarten haben, insbesondere auch deswegen, weil viele Industrien auf landwirtschaftlichen Rohstoffen basieren, die palästinensischen Städte Landstädte sind und unsere Kolonien einen starken städtischen Einschlag haben. öie kommunalwirtschaftlichen Probleme haben daher für uns eine ganz besondere Bedeutung. Wir verlangen eine öffentliche Bewirtschaftung der zum Leben notwendigen Dinge in Formen, die vielleicht denen ähneln können, die die Zentraleinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine durchgeführt hat. So ist das Studium des Genossenschaftswesens notwendig, das sich im übrigen nicht auf die städtischen Genossenschaften beschränken wird, sondern auf die ländlichen Absatzgenossenschaften, wie auf die Genossenschaft als Betriebsform. Wir brauchen Fachleute, die die Methoden und Erfahrungen auf diesem Gebiete entwerfen können in unserem Geist. Wir verlangen ein soziales Programm vom Kollektivvertrag mit Minimaliohn und Begrenzung der Arbeitszeit bis zur sogenannten konstituellen Fabrik mit gleitenden Lohnskalen mit Gewinnbeteiligung des Arbeiters. Wir brauchen Fachleute, denen die Methoden und Erfahrungen der Sozialpolitik aufs innigste vertraut sind und die uns so Pläne entwerfen in unserem Geist. Wir brauchen eine Zentrale für diese Arbeiten am Palästinaamt, die diesen Aufgaben gewidmet ist. Wir rufen euch alle auf, denen es mit der Arbeit für Erez Israel Ernst ist. Vergeßt alles andere, arbeitet, daß euer Wort kein Wort mehr ist, daß Palästina zu Zion werde. Fritz Sternberg Schlußwort Sehr geehrter Herr Dr. Zweig! Diskussionen sind nur dann berechtigt, wenn sie zwischen Gegnern geschehen. Standpunkt gegen Standpunkt, Meinung gegen Meinung: so kann man fechtend seine Ansicht begründen, um vielleicht zu einer höheren Synthese zu gelangen. In Ihrer Antwort auf meinen Aufsatz „Der neue Bund" (in Heft 11 dieser Zeitschrift) sehe ich aber keine Gegnerschaft, sondern nur Feindschaft, nicht den guten Willen zu widerlegen und zu überzeugen, sondern den Ingrimm gegen eine kulturpolitische Richtung, der ich zwar angehöre, die aber mit meinem Artikel wenig zu schaffen hat. Sie machten mir privatim das Eingeständnis, daß Sie Ihre Antwort unter der Voraussetzung geschrieben hätten, daß sie sich gegen einen „Aktivisten" richte. Also nicht um der Sache willen? Nicht um Gegenargumente aufzustellen? Dann allerdings sind mir Ihre polemischen Entgleisungen erklärlich: daß Sie mir verwehren, Jeremias zu zitieren (als ob er von nationaljüdischer Seite gemietet wäre), daß Sie meinen Ton „widerlich" finden . . ., um schließlich doch oberlehrerhaft mir einen Lobstrich zu notieren. Hat es nach alledem noch Sinn, mich sachlich zu rechtfertigen? Kaum. Nur dies sei gesagt: Mit keinem Worte habe ich geleugnet, daß jede (nicht nur die jüdische) Neugeburt im Einzelmenschen beginnen muß. Ich bin weder Marxist noch Organisations- Schau te genug, um die Tatsache der individualen Wirklichkeit und ihre Folgen zu übersehen. Muß man nicht trotzdem an praktische, auf eine Gesamtheit anwendbare Methoden denken? Schließt die Notwendigkeit seelischer Läuterung jene andere der kollektiven Erziehung aus? Diese aber begründen zu helfen, war der Sinn meines Artikels. Nicht einen „modernen Einfall" wollte ich