Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1919-01-01 · Heft 1-2 · p. 89

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 1-2
Article
Übertragungen aus dem Buche Sohar
Date
1919-01-01
Page
89 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3101111-3101150-3101152-3104181--3126-3104293
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Übertragungen aus dem Buche Sohar 89 ist*), und sucht durch die Menschenform für sich Erhebung, den Menschen aber zu Schanden zu bringen, und bleibt in seinem Hause. Und dieses Verweilen kann auch noch immer zum Guten werden, wenn der Mensch sich weiterhin würdig erzeigt. In jedem Falle aber fehlen jene Tage aus der Zählung der übrigen. Wehe dem Menschen, der seine Tage verringert vor dem heiligen König und nicht in die Höhe entläßt, Tage, mit denen er sich schmücken kann in jener Welt und nähern dem heiligen König. Denn wenn jene Tage sich nähern dem heiligen König, dann bilden sie für den Menschen, der sich würdig erzeigt, wenn er von dieser Welt aufsteigt, ein kostbares Gewand seiner Seele. Wehe aber jenem, der seine Tage verringert hat; denn jene Tage fehlen dann aus dem kostbaren Gewände, und er kann sich nur in ein mangelhaftes Gewand hüllen. Doppelt wehe aber, wessen solche verlorene Tage zahlreich sind, denn ein solcher Mensch besitzt in jener Welt nicht, womit er sich bekleiden könnte, und im Ge-hinnom**) ergeht über ihn das Gericht — doppelt für jeden verlorenen Tag. Wohl aber den Frommen, denen sämtliche Tage wie ein Schatz bewahrt bleiben vor dem heiligen König, denn aus ihnen webt sich für sie ein kostbares Gewand für die künftige Welt. So verstehen wir auch den geheimen Sinn des Satzes (Gen. 3, 7): „Und sie erkannten, daß sie nackt waren" — das heißt wörtlich: sie wußten, daß das kostbare Gewand der Tage sich ihnen verloren hatte und kein Tag davon übrig war. Und so auch den Satz (Ps. 139, 16); „Meinen Keimzustand haben deine Augen gesehen und in deinem Buche waren verzeichnet die Tage, die erst gebildet werden sollten, als keiner derselben da war." Denn wirklich war keiner dieser Tage mehr übrig, bis sich der Mensch bemühte und die Umkehr bereitete. Dann nahm ihn der Allheilige auf und gab ihm ein anderes Gewand als jenes der Tage, worauf der Satz hinweist (Gen. 3, 21): „Und es machte Gott dem Adam und seinem Weibe Gewände aus Fell, sie zu bekleiden". Bei Abraham heißt es, als er alt wurde (Gen. 24, 1): „Er kam in die Tage" — dies ist wörtlich zu verstehen. Als er nämlich von dieser Welt aufstieg, trat er ein in den Bereich der Tage, mit denen er sich bekleidete, und fehlte ihm nichts von der kostbaren Gewandung. Und von Hiob ist gesagt (Hiob 1, 21): „Und er sprach: „Nackt kam ich aus dem Leibe meiner Mutter und nackt kehre ich dorthin zurück." Denn es war ihm nichts von jener Gewandung übrig geblieben. Heil jenen Frommen, deren Tage gewürdigt sind und gewahrt bleiben für die künftige Welt, denn dort bilden sie in ihrer Vereinigung jenes kostbare Gewand, darinnen4 jene gewürdigt werden der Wonnen der künftigen Welt und der Belebung und des Fortbestandes harren können. Denn alle, welche jenes Gewand tragen, werden beständig leben, wie es heißt (Hiob 38, 14): „Sie standen auf als Bekleidete." Und wehe jenen, die durch ihre Sünden jenes Gewandes entbehren, und es bleibt ihnen nichts, wenn sie die Welt verlassen. Alle jene aber, welche gewürdigt werden der kostbaren Gewandung in jener Welt, werden geschmückt mit der Krone der Urväter in jener Strömung, welche den Garten Eden befruchtet. Dann heißt es (Jesaia 58, 11): „Und der Herr wird dich beständig in Seiner Ruhe halten und ersättigen in der Dürrnis deine Seele." Und von den Schuldigen, die jener Gewandung nicht teilhaftig werden, gilt der Satz (Jerem. 17, 6): „Und er wird sein wie ein Wacholderbaum in der Steppe, er wird nicht sehen, wenn das Gute kommt, sondern verweilen in dem Ödland der Wüste." Wien Ernst Müller :) Gemeint ist der Geist des Bösen oder der Versuchung. s) Die Stätte der Strafe nach dem Tode.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.