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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 1-2 · p. 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 1-2
Article
Die Erbpacht
Date
1919-01-01
Page
36 (sequence 12)
Language
German
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36 Herman Glenn: lation und der kapitalistischen Ausbeutung der Erwerbslebens im Galuth in das Landleben Palästinas. Diese Beschränkungen, die ja keine Produktionsbeschränkungen sind, werden, wenn sinnvoll gestaltet und von den Lebensnotwendigkeiten der Nation geprägt, als eine der in der Landwirtschaft auch sonst vorhandenen natürlichen Schranken empfunden werden. Eines muß aber auch hier betont werden. Die Erbpacht ist eine Form, eine Zweckerscheinung. Formen werden aber von den Menschen gelebt, in deren Geiste gehandhabt, wie auch von deren Einstellung beeinflußt und umgeformt. Der Geist, der aber auf dem Gebiete der Landwirtschaft in Palästina herrschen wird, kann kein anderer sein als der, der die ganze Kolonisation in Palästina durchzieht und die Führer sowohl wie die Massen beseelt. Das Gelingen der Erbpacht ist nicht minder von der äußeren Formgestaltung, die ihr in Palästina gegeben wird, abhängig als von dem Geiste unserer Palästina-Menschen. Eine Binsenwahrheit? Gewiß! Der Mangel an der Erkenntnis ihrer ist aber nie so brennend empfunden worden als in diesen Tagen des Rausches und des Ringens nach neuen Wirtschaftsformen. Eine Wahrheit, die unsere Chalusim nicht genug beherzigen können. z. Zt. Heidelberg Nathan ben-Nathan (Jerusalem) UM DIE JUGEND Mit dem drängenden Ernst und dem Verantwortungsgefühl des wahrhaft Wollenden hat Siegfried Bernfeld nun das Problem der künftigen jüdischen Erziehung in seiner ganzen Weite aufgerollt und, gestützt auf europäische Reformpädagogen als geistige Vorbilder — Gustav Wyneken, Berthold Otto, Maria Montessori, Stanley Hall — ein Bild des vor allem in Palästina selbst zu Wünschenden, also auch zu Fordernden, entworfen. „Das jüdische Volk und seine Jugend" (im Verlag Löwit) heißt sein soeben erschienenes Werk voller Nachdenklichkeit und stürmischer, rücksichtsloser Kritik; „die unbedingte Selbstsicherheit des jüdischen Geistes ist das Grundgefühl, der affektive Hintergrund dieses Buches". Auf dem jüdischen Geist schlechthin, wie er sich in den mächtigen Kundgebungen unserer Antike geäußert hat, beruhen zwar die Imperative des aus ganz modernen Bereichen kommenden und bauenden Erziehungstheoretikers nur erst in letzter Linie, in den Tiefen seiner durchweg sozialen Begründung der Pädagogik; aber die Durchführung der gesamten Konzeptionen des Buches atmet tatsächlich den überrealen Geist aller jüdischen Letztheit, die unbekümmerte Absolutheit jüdischer Forderungsethik. Und dies macht es auch dem nicht ohne weiteres Zustimmenden, dem zu einem guten Teil Ablehnenden, dem aus anderen Verantwortlichkeiten, aus anderer Ehrfurcht heraus Schauenden zur Pflicht, dem aus ernstem Betrachten heraus geborenen Bilde nur ebenfalls ein ernstes Bild, den subjektiv echten Gründen nur zumindest ebenso echte Gründe entgegenzustellen. Wie erwähnt, beruft sich Bernfeld auf mehrere der bekannten Vertreter reformerischer Pädagogik; wesentlich bestimmt sind aber seine Ausführungen, im Guten wie im Problematischen, im Wahren wie im Verbogenen, vom

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