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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 1-2 · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 1-2
Article
Wirtschaftspolitische Postulate der Juden in Ostgalizien
Date
1919-01-01
Page
11 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Siegfried Lehmann: Über die Grundlagen eines jüdischen Gemeinwesens 3. Übergabe aller Agenden, welche die spezifisch jüdische Wirtschaftslage, sowie die berufliche und soziale Umschichtung, Umsiedlung und Wiederaufbauaktion tangieren, an die zu bildende jüdisch-nationale Selbstverwaltung und entsprechende Dotierung derselben im Landesbudget. Darunter fallen: a) das Gewerbe- und Handelsschulwesen, sowie Handwerkerinternate, gewerbliche Fachkurse, Anstellung von Wanderlehrern, Ausstellungen u. dgl.; b) das Genossenschaftswesen, die Produktiv-, Kredit- sowie Konsumgenossenschaften und deren Zentralen; c) jüdische Gewerkschaften; d) der Wiederaufbau der jüdischen Siedlungs- und Wirtschaftseinheiten; e) soziale Fürsorge; f) das Stellungsvermittlungs- und Arbeitsnachweisamt; g) Regelung der jüdischen Emigration. 4. Die Beistellung von Fonds im Ausmaße von etwa einer Milliarde aus dem internationalen Aufbaufonds des Völkerbundes zwecks Einleitung einer genügenden Aufbau- und Umschichtungstätigkeit; den Rest dürfte das gesamte Judentum in Form einer Anleihe aufbringen. 5. Entschädigung aller durch willkürliche Gewaltakte, Pogrome, Kontributionen, widerrechtliche Verhaftungen u. dgl. m. entstandenen Schäden unter internationaler Kontrolle. Lemberg Josef Tenenbaum ÜBER DIE GRUNDLAGEN EINES JÜDISCHEN GEMEINWESENS I. Der Krieg hat unsere nationalen Ziele der Verwirklichung um ein gutes Stück nähergebracht. Ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina wird in absehbarer Zeit entstehen. Bevor wir aber die ersten Steine zum Bau unserer Gemeinschaft legen, müssen wir uns über seine Grundlagen klar werden und uns entscheiden, ob wir den gleichen Weg zu gehen haben werden wie die Nationen Europas oder ob unser jüdisches Menschentum und unsere Lehre uns durchaus andere Wege weist. Vor dieser Entscheidung gilt es das Bild des Staates*), welches von den herrschenden Klassen mit Unrat bedeckt worden ist, zu reinigen und zu versuchen, die wahren Linien und die ewigen Gesetze einer Menschengemeinschaft zu erkennen. Und was ist zeitgemäßer, als heute, wo wir mit Abscheu den entgeistigten und entseelten Maschinenbetrieb der gegenwärtigen Staaten betrachten, wo die Menschheit sich windet unter den Schlägen machtwahnsinnig gewordener Staaten, sich auf die Idee und das wahre Wesen des Staates zu besinnen? Als uns zu fragen, worin die Berechtigung eines Staates überhaupt besteht und nach welchen höheren Gesichtspunkten wir die Vollkommenheit eines Staates bemessen können? Haben wir das Kriterium eines wahren Gemeinwesens gefunden, dann werden wir in der Entwicklung des jüdischen nicht *) „Staat" ist hier und im folgenden keine politische Bezeichnung, sondern bezeichnet nur eine über sich selbst bestimmende, organisierte Menschengemeinschaft.

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