Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 12
- Article
- In Safed
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 583 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Martin Buber: Samael 5*3 Stadt heraus, da empfing uns eine Schar halbwüchsiger Jungens, die uns verspotteten. Und einer von ihnen hob sogar einen Stein. Er hatte keine Zeit ihn zu werfen, denn ich stürzte auf ihn los. Aber fangen konnte ich ihn nicht, Die Araberjungen laufen so behend und flink, daß es fast unmöglich ist, sie zu fangen. Ich lief aber immer weiter hinter ihm her. Zwei Mädchen folgten mir, der Junge guckte sich ab und zu ganz erstaunt um, und zog es vor, nach Hause zu rennen. Wir waren in das arabische Stadtviertel gelangt, und ich folgte dem Jungen in seine Wohnung. Dort stand er'im Hofe, um ihn herum viele Frauen und Kinder. Es war ein wüstes Geschrei. Um mich verständlich zu machen, hob ich einen Stein und warf ihn nach dem Jungen. Holte ihn mir aus dem Beschützerkreise und gab ihm zwei Ohrfeigen. Inzwischen waren einige Mädchen nachgekommen, die der Mutter den Hergang erzählten, ihr sagten, daß ich das nächste Mal zur Polizei gehen würde, wenn irgend ein Junge noch einmal mit Steinen würfe. Und damit verabschiedeten wir uns. Mit diesem Vorfall war der Bann gebrochen. Daß wir ungeschoren aus dem Araberviertel herausgekommen waren, hat die Mädchen sehr überrascht und fortan blieb keine mehr aus Furcht zu Hause. Die größte Freude machten wir ihnen, wenn es hieß: „Heute gehen wir wieder", und nie mehr brauchte ich hinter den Jungens herzurennen, die Mädchen warteten direkt schon darauf, daß ein Junge irgend etwas tat. Sie warteten nicht, bis er mit Steinen warf, ihnen genügte schon, wenn er ein böses Wort sagte, und bald waren die Mädchen in der Umgegend bekannt und gefürchtet. In Safed, in Tiberias, in Jerusalem, in den Städten der Chalukkah, da haben wir das Golus auch in Palästina. Die Juden sind innerlich und äußerlich vom Golus abhängig. Mit dem Lande verknüpft sie nicht Arbeit, mit der Erde verknüpft sie nicht Gegenwart und Zukunft, nicht Bangen und Erwarten, nur Erinnerung. Sie leben von den Gräbern. Den Mut zu Palästina geben uns die Arbeiter, die Kolonisten, die Jugend. Das Golus hat aus uns Sklaven gemacht, das Land, die Mutter Erde verwandelt uns in Menschen. Hadassah bä~"th Mordechai SAMAEL Der Baalschem sah ein Verhängnis Israel nahen, aber er kannte dessen Heimlichkeit nicht. Sein Gebet fand .keinen Zugang. So beschwor er die Tiefe. Zornig brach Samael hervor. Er schrie aus der Flamme; „Dreimal bin ich aufgestiegen, zur Lockung am Baum, zur Lockung am Berg, zur Haderlockung in eurer belagerten Stadt. Zum vierten ist noch nicht an der Zeit. Was rührst du an mich?" Der Baalschem hieß die Schüler, die ihn umstanden, die Stirnen entblößen. Auf jeder Stirn sah Samael das Zeichen des Bildes, in dem Gott den Menschen schafft. Eine Erdenstunde lang starrte er in den Halbkreis des Lichts. Dann versagte sein Auge. »Es ist gewendet", sprach er und entschwand. Martin Bub er