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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 12 · p. 555

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 12
Article
Organische Willensbildung im öffentlichen Leben
Date
1918-01-01
Page
555 (sequence 7)
Language
German
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Fritz Sternberg: Die Bedeutung der Erbpacht für den Neuaufbau Palästinas 555 zu repräsentieren, und als bloße Repräsentanten zusammenzukommen, wahrhaft miteinander leben, ihre gegenseitigen Ziele und Nöte kennen und mitzufühlen vermögen. Hier ist wirklich Lebensgemeinschaft, Zusammengehörigkeit, Verwandtschaft, hier herrscht die volle Überzeugung von der Notwendigkeit des Zusammenlebens und des gemeinsamen Weges, und höchste persönliche Sachkenntnis. So treffen hier alle Erfordernisse zusammen, die wir als Voraussetzung richtiger Synthesenbildung gefunden haben. Das alles sind wohl nur Organisationsfragen; Gemeinschaftsinstitutionen, ohne Sinn, wenn nicht der echte Wille zur Gemeinschaft da ist; Gefäße, wertlos, wenn sie nicht der wahre Geist erfüllt. Und doch nicht ganz wertlos. Wenn der Wille kommt, so soll er auch die Möglichkeit haben, sich praktisch geltend zu machen, und je besser die Wege dazu bereitet sind, desto kräftiger kann er in das Gemeinschaftsgefüge eingreifen. Vor allem aber: Ein richtiges, wahres politisches Zusammenleben ist mehr als bloße Vorbereitung für den Fall, daß der echte Gemeinschaftswille kommt. Es ruft ihn selbst hervor. Denn hier ist die wahre Geburtsstätte des Geistes. Wo könnten die kleinen Willensflämmchen der Einzelnen sich eher zur großen Flamme des gemeinsamen Willens entzünden als in einer Gemeinschaft, die bereit ist, nicht nur in alter Weise zu leben, sondern auf heiligem Boden von neuem den Versuch zu wagen, das Reich Gottes zu verwirklichen. Prag - Felix Weltsch ie Erbpacht*) bedeutet, daß es sich bei dem Neuaufbau Palästinas um kein JL-/ leeres Wort handelt, daß die jüdische Siedelung nach dem Kriege in Wirklichkeit neu aufgebaut werden soll. Sie bedeutet, daß wir gewillt sind, mit der Eroberung Palästinas Ernst zu machen, mit der Eroberung, wie Buber dieses Wort bestimmt hat: „Ein Wesen oder ein Ding so zu innerst bewältigen, daß es einem wahrhaft und völlig zu eigen wird und fürderhin keines anderen sein kann." Sie bedeutet, daß wir uns der ungeheuren Wichtigkeit des Bodens, des Besitzes einer durch eigene Arbeit geschaffenen Scholle bewußt geworden sind, bedeutet Ausrottung der Schädlinge, die sich der Siedelung bemächtigen wollen, bevor sie in Wirksamkeit treten können, Abkehr von dem Gedanken, das Land sei zu kaufen wie ein Fetzen Tuch, bedeutet damit schärfsten Kampf gegen die Art der Kolonisation, wie sie einstmals eingeleitet worden ist. Es gibt im Grunde nur zwei Formen, um Neuland zu kolonisieren: die Leiter der Kolonisation geben den Einwanderern das Land in Privateigentum in römischrechtlichem Sinne, d. h„ wie Oppenheimer richtig bemerkt, „zu usus und abusus", oder sie behalten sich irgendein Recht an dem Lande vor, mag dies Obereigentums, Rückkaufs-, Wiederkaufs- oder Vorkaufsrecht heißen, um in der Lage zu DIE BEDEUTUNG DER ERBPACHT FÜR DEN NEUAUFBAU PALÄSTINAS 1. *) Wir bringen demnächst einen Aufsatz über die geschichtliche Entwicklung der Erbpacht, der diesen zu ergänzen geeignet ist. (Anm. d. Red.)

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