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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 12 · p. 545

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 12
Article
Vor der Entscheidung
Date
1918-01-01
Page
545 (sequence 5)
Language
German
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Vor der Entscheidung 545 so England: es bringt den Vasallen seine Freiheit, die magna Charta libertatum, und die alten Kulturen der Länder schmelzen in dieser Sonne, die deren Wirtschaft zu Wohlstand und Fülle reift. Wahrlich, dies sind sie, „die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit". Wird Israel dieser Versuchung standhalten? Freiheit: es ist die Freiheit der gewinnsüchtigen, machtsüchtigen, geltungssüchtigen bürgerlichen Person, es ist die Freiheit des Bürgers, seinen Anteil an den in seiner Welt wertbesitzenden Gütern zu mehren, mehr zu haben, mehr zu vermögen, mehr zu gelten, und immer mehr. Nicht als ob der angelsächsische Mensch nicht die andere, die wahre Freiheit kennte und nach ihr Verlangen trüge: die Freiheit des Menschen, sich über den Geist des Mehr zum Geist der Gotteskindschaft und des Brudertums zu erheben. Die Seele jedes edlen Engländers ringt um diese und gegen jene Freiheit, und wer in den Völkern jener nicht erliegt, ist, wie allem jungen Europa, auch dem jungen England verbündet; aber die repräsentierende Freiheit ist die süchtige und nicht die edle — wie die repräsentierende Macht Deutschlands die Gewaltmacht und nicht die Seelenmacht war; nur daß der britisch-imperialistischen Freiheit ebenso viel werbende Kraft eignet} wie die preußisch-imperialistische Macht an abstoßender Kraft besaß. Dem Joch der türkischen Barbarei sind wir entronnen, das unser leibliches Dasein im Lande niederdrückte; aber die Luft der britischen Zivilisation enthält Stoffe, die einzuatmen unserer Seele bedrohlich sein dürfte. Ich brauche nicht erst auf künftige Gefahren zu verweisen; schon heute vernimmt man aus Palästina den Ruf, dem Jischub tue „Footballgeist" not. Weiß man, was das für ein „Geist" ist? Es ist der Geist, der der Freiheit der bürgerlichen Person entspricht, des Bürgers, der seine Muße säuberlich auf Leib und Seele verteilt, der vom Kampf um das Mehr seinen Leib (ohne jegliche Verbindung mit seelischem Leben) im Sport erholt, seine Seele (ohne jegliche Konsequenz für das leibliche Leben) in der Kirche erhebt; der das Prinzip des Mehr aber auch noch — in der Form der Mehrleistung — in seine leibliche Übung als deren unentbehrliche Würze und Stachel her übernimmt. Und dieser Ruf nach dem Footballgeist kommt aus einer Gemeinschaft, die Männer wie A. D. Gordon und die Seinen besitzt, welche die Idee der sinnstarken, erdverbundenen, gemeinschaftgetragenen Arbeit als der Einung von Leib und Seele, der im modernen Menschen und besonders im modernen Juden unheilvoll getrennten Elemente, verkündet haben — verwandt dem wahren englischen Geist, dem von Imperialismus und Rekordwahn niedergehaltenen Geist Carlyles und Ruskins! Wer Augen hat zu sehen, tue sie auf! Das Ziel der Entwicklung zu einem autonomen Gemeinwesen ist offen ausgesprochen und zugestanden worden. Aber achten wir beizeiten, daß, wenn diese Entwicklung sich vollzogen hat, das alsdann zustande gekommene Gemeinwesen noch ein jüdisches sei! Damit ist nicht gemeint, daß es in seinem Werden englischen oder überhaupt europäischen Einflüssen entzogen sei, vielmehr, daß man allen Einfluß begünstige, der vom Geiste kommt, allen fernhalte, der aus der von der Machtsituation gedeckten Geistwidrigkeit hervorgeht. 4- Die Loyalität unserer Aktion und unserer Siedlung dem Völkerbund und seinem Beauftragten gegenüber ist selbstverständlich. Daß wir mit seinem gegenwärtigen Lebenssystem, dem des humanitätsbewimpelten Imperialismus,

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