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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 523

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Ostjüdische Proletarier in Deutschland
Date
1918-01-01
Page
523 (sequence 12)
Language
German
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Rudolf Kayser: Der neue Bund 523 judische Erziehung war hier fast ohnmächtig gegenüber der plötzlich auftauchenden Übermacht einer neuen Kultur. Mögen die russischen, mögen die deutschen Juden daraus lernen! Die Erziehung muß die Jugend beizeiten auf den Zusammenstoß der beiden Kulturen vorbereiten, in denen sie dereinst stehen werden. Das Judentum darf nicht die Millionen der russischen Juden verlieren auf denen ein großer Teil seiner Hoffnungen ruht. Sie selber aber sollen von dem Schicksal des deutschen Judentums lernen. Nicht die Emanzipation und nicht die Assimilation soll sie schwächen. Im Ansiedlungsrayon und unter seinem Druck haben sie bisher ihre Lebensfähigkeit und die Stärke ihres Judentums bewiesen. Nun sollen sie sie in Zukunft erst recht mitten in der Freiheit zeigen. Düsseldorf Max Eschelbacher DER NEUE BUND Fürwahr, es kommt die Zeit — ist der Spruch Jahwes —, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern schloß, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten wegzuführen, welchen Bund sie mit mir gebrochen haben, obwohl ich doch ihr Eheherr war I — ist der Spruch Jahwes. Vielmehr darin soll dei Bund bestehen, den ich nach dieser Zeit mit dem Hause Israel schließen will — ist der Spruch Jahwes: Ich lege mein Gesetz in ihr Inneres und schreibe es ihnen ins Herz, und so will ich ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein! Fürderhin sollen sie nicht mehr einer den andern oder ein Bruder den andern also belehren: Erkennet Jahwe! Denn sie werden mich allesamt erkennen vom kleinsten bis zum größten — ist der Spruch Jahwes —, denn ich will ihnen ihre Verschuldung vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken. Jeremia, 31, 31—34. Die Gemeinschaft ist der geometrische Ort des Geistes. Sie ist Ziel und Rechtfertigung der Nation, ihre letzte und eindringlichste Wirklichkeit. Zu ihr hin leben alle guten Anlagen des Volks und sterben die bösen. Sie ist Eros, das Verbundensein zu geistigen Zwecken, die ewige Erzeugung des Guten. Die ethisch-religiöse Gemeinschaft der Juden ist lebendig und zur Verwirklichung entschlossen. Da die Gemeinschaft nicht toter Besitz, sondern junges Streben, brausende Lebendigkeit ist, so muß sie sich jederzeit zum Handeln entschließen, das sicherer Methoden bedarf. Sie sieht Ziele in der empirischen Welt, prüft ihre Spannkraft und Intensität und gibt die Befehle zum Liebeswerk: die Gemeinschaft wird zur Genossenschaft, das Gefühl zur Überzeugung, das Erlebnis zur Tat. Solche Genossenschaft, von der Gemeinschaft erzeugt, ist selten der Staat (wenn sie sich auch im Staat verwirklichen läßt). Denn der Staat kann und soll wohl Mittel des Geistes sein, sich die Herrschaft auf Erden zu sichern; er bedarf aber der Macht, der Trennung der Gemeinschaft in Regierende und Regierte. Deshalb kann der Staat wohl Objekt einer Gemem- Heftn. " 38

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