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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 11 · p. 499

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 11
Article
Das Grundproblem der Ansiedlung
Date
1918-01-01
Page
499 (sequence 9)
Language
German
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Franz Oppenheimer: Bodenbesitzordnung in Palästina 499 „Söhne seid Ihr Gottes, Eures Herrn" (Deutoron. 14,1) — diese den Menschen gegebene ewige Verkündung ist auch trotz jeder Verkommenheit von Einzelnen innerster Glaube unseres Volkes geblieben. Und darum wird kein Jude, auch noch so gequält und verpovert, einfach unter die Fuchtel ökonomischen Privatzwanges gehn und sich dabei beruhigen. Bei kärgstem Brot und unter bittersten Erniedrigungen wird der jüdische Arbeiter aus dem Osten in den Schwitzwerkstätten Whitechapels dahinsiechen und unerhörte Versklavung auf sich nehmen: aber dabei nicht den Glauben an die Heiligkeit seines mit jedem anderen gleichberechtigten Lebens aufopfern. Darum ist er Sozialist, wo er nicht mehr frommer Jude ist. Und darum wird er demnächst in Palästina zwar ebenfalls sein schwer erarbeitetes tägliches Brot suchen — vor allem aber, immer und immer wieder, rastlos, niemals im letzten verzagend, die hehre ewige Gerechtigkeit. Will man ihm Steine statt Brot geben? Will man gleich zu Anfang auch in der neuen echtesten Heimat den düstersten Zwiespalt erst wieder grundsätzlich schaffen — hie freier bevorzugter Farmer oder Industrieller von der Nation Kreditgnaden, hie bloßer Proletarier auf des Farmers Gut oder in des Geschäftlers Fabrik? Kein böserer Fehler wäre denkbar; und der nagende schärfste Kampf wäre in unausdenkbarsten Formen bald da, die enttäuschten und erbitterten Gemüter der wieder unerlösten Massen würden die Schranken ihrer jüdischen Demut brechen. Und wenn auch viele der autoritativen Vorkämpfer des Zionismus, gut bürgerlich national eingestellt, aus dem Kriege und der Revolution noch nicht genug gelernt haben, wenn sie die Verhältnisse von vorgestern auch weiterhin zur Grundlage ihre Betrachtungen und Berechnungen nehmen: so seien die Verantwortlichen eindringlich uad deutlich vermahnt — die geschichtlich gereifte Entwicklung wird sonst notwendig über ihre Köpfe hinweggehn und gegen ihren hindernden Willen doch bald siegen. Die Eroberung der palästinensischen Scholle gebührt den wirklich produktiven Kräften des ganzen jüdischen Volkes, nicht einer Oberschicht von Nutznießern; den gleichberechtigten Kindern Gottes, nicht den Begünstigten; den Armen, nicht den Reichen, die nur froh sein dürfen, durch ihre Hilfe das hohe Werk mit begründen zu können. Das künftige Erez-Israel wird zur Stätte von freien Gemeinschaften freier arbeitender Menschen werden; und kein anderer Geist, als der unserer ureigensten heiligen Quellen, darf dort herrschen. Herman Glenn BODENBESITZORDNUNG IN PALÄSTINA 1. Ein uralter Traum scheint Wahrheit werden zu wollen. Ein gehetztes Volk will heimkehren ins Land seiner Väter. An dies Ereignis knüpfte frommer Glaube seit Jahrhunderten große Hoffnungen: Wenn der dürre Wanderstecken Ahasvers, neu ins alte Land gepflanzt, Schosse und Blüten treibt, dann beginnt das Reich Gottes auf Erden. Löwen und Rinder werden zusammen auf die Weide gehen, und das Lamm wird friedlich lagern neben dem Partei. Vielleicht will auch das Wahrheit werden, was sich unter dem symbolischen Geranke dieser Prophezeiung verbirgt, daß das eiserne Zeitalter ausgelebt ist und

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