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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 10 · p. 489

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 10
Article
Disraelis "Tancred" [Rezension]
Date
1918-01-01
Page
489 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau 489 dischen Morast ihren Wohnsitz hat — und spricht von Fortschritt! Fortschritt wohin und woher? Angesichts von Reichen, die heute zu Wüsten geworden sind, angesichts von Trümmern großer Städte, von denen eine einzige Säule und ein einziger gestohlener Obelisk genügt, um den Hauptschmuck ihrer aus schmutzigem Lehm errichteten Hauptstädte zu bilden, angesichts vergessener Künste, ruinierten Handels, halbtoter Literatur und geschwächter Bevölkerungen schwatzt so ein Europäer munter von Fortschritt, weil er mittels einiger technischen Hilfsmittel auf einer sogenannten wissenschaftlichen Grundlage eine Gesellschaft errichtet, die Komfort für Zivilisation hält und mißversteht!" Mit dem Scheitern der Pläne Tancreds ist aller Aufschwung, alle Größe und Hoffnung des Helden in Nebeln verschwunden; wenn sie verziehen, liegt es alles zertrümmert. Nur ein nicht auf die Person Tancreds angewiesenes Moment des Werkes, das Vertrauen auf die Kraft des jüdischen Volkes, auf seine Heimkehr und seine Erhebung zu alter Reinheit, war so entschieden, so ohne Überschwang ausgedrückt, daß es als einziges unberührt von dem hereingebrochenen Untergang zu dauern scheint. Das Land, das zu gewinnen dem Einzelnen, dem Fremden, nicht gelang, bleibt offen für das ihm entstammte Volk. Damit ist aber im Geiste des Erzählers das Erwachen des Orients, und mit diesem wieder die Errettung und Erneuerung der Menschheitskultur verbürgt. Israel, während der Boden seiner Heimat schlummert, trägt das heilige Feuer, das noch auf ihm entfacht wurde, durch die Welt. ,,Eine Rasse, die noch das Fest der Weinlese feiert, obgleich sie keine Trauben mehr sammeln kann, wird und muß einst ihre Weinberge wiedergewinnen." Ludwig Strauß Verlag Stybel Wir haben von einer Tatsache Notiz zu nehmen, deren nationale Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: die hebräische Literatur hat einen Mäzen gefunden; und wenn wir nach seinen bisherigen Unternehmungen und Plänen urteilen dürfen, einen Mäzen, der gut beraten ist. Man erinnert sich noch jenes Typus des hebräischen Schriftstellers von einst, der wie ein Bettler die Subskribenten für sein Werk zusammensuchte und es unter Bücklingen an seine Förderer drucken ließ. Immerhin, die Förderer fanden sich. Dann kam die prosaische Zeit, die keine persönlichen Beziehungen mehr gelten ließ Heft zo. und wo nur mehr die Tatsachen über das Schicksal unserer Literatur und — gegen sie entschieden. Das Jiddisch hatte seinen Markt und konnte seine Schriftsteller ernähren. Das hebräische Schrifttum war klein und wenn auch innerlich von ungemeiner Intensität, so doch nichts weniger als rentabel. So mußten die Talente zur jiddischen Literatur übergehen, und in den guten und fruchtbaren Wettbewerb unserer beiden Literaturen mischte sich ein häßlicher wirtschaftlicher Zug. Und wieviele junge, verheißungsvolle Kräfte gingen uns gänzlich verloren, verhungerten, rieben sich im Stundengeben auf. Frischmann sang von der armen Ziege, die verendet, während ringsum die Chowewim bewundern . . . In einem 'Essay Wilsons steht: „Der beste Weg zur Förderung der Literatur — wenn es überhaupt einen gibt — ist die Förderung des Schriftstellers." Diesen Weg hat Abra-, ham Stybel, dem David Frischmann als literarischer Berater zur Seite steht, beschritten. Er fördert unsere jungen Talente, indem er ihnen Arbeit gibt. Er organisiert eine großzügige Übersetzungsarbeit. Wie wichtig gerade dies ist, braucht nicht erst lange auseinandergesetzt zu werden. Wir wollen endlich in unserer hebräischen Literatur leben. Das konnte man bisher nicht. Sie war zu arm, um das Schaffen der Welt in sich aufzunehmen. So setzte sich der Dualismus unseres Lebens, den wir Galuth nennen, auch noch in unser Eigenstes fort. Achad Haam wies die Lernbegierigen an die russische Literatur . . . Nun wird es, wenn Stybels Vorhaben gelingt, anders werden. Das eben erschienene Verzeichnis des Verlages Stybel (Moskau, Novaja Basmannaja 10/11 und Kopenhagen, A. Erslev, Kobmagergade 26) kündigt teils als schon erschienen, teils als im Druck befindlich folgende Übersetzungen an: Altenberg, An-ski, Anakreon, Borchardt, Bergson, Brandes, Bang, Dostojewski, Dickens, France, Flaubert, Goethe, Hebbel, Heine, Homer, Hamsun, Ibsen, Jacobsen, Kellermann, Krasinski, Konopnicka, Lermontow, Mickiewicz, Marx, Maeterlinck, Marc Aurel, Puschkin , Przybyszewski, Rolland, : Rodenbach, Schnitzler, Shaw, Sienkiewicz, SJowacki, Strindberg, Tagore, Tolstoi, Turgenjew, Tschechow, Verlaine, Wilde, Zola. Außerdem sind für die nächste Zeit Björnson, Byron, Hauptmann, Hugo, Rousseau, Ruskin, Schiller, Shakespeare, Shelley, Sudermann, Wyspianski, endlich auch die griechischen und römischen Klassiker sowie Dante für die Übersetzung in Aussicht genommen. Zu den Ubersetzern gehören Bialik, Tschernichowski, Frischmann, SchofTmann, Fichmann, Schi- 35

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