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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 10 · p. 485

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 10
Article
Ein jüdischer Ingenieur
Date
1918-01-01
Page
485 (sequence 5)
Language
German
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Ein jüdischer Ingenieur 4&5 Es ist gewiß nur eine Äußerlichkeit, aber sie kennzeichnet die geistige Atmosphäre der technischen Hochschulkreise besonders Österreichs. Während jedoch die technischen, naturwissenschaftlichen, erkenntnistheoretischen und ästhetischen Arbeiten Poppers in den Fachkreisen eine immerhin große Anerkennung fanden, war dies mit seinen sozialen, sozialethischen und .sozialpolitischen viel weniger der Fall. Da wurde er verlacht, verspöttelt, verleumdet und sogar beschimpft, und zwar nicht in geringem Maße von Universitätskreisen, mit einigen wenigen ruhmlichen Ausnahmen. Er schreibt darüber: „Ich gebe mir die größte Mühe, in jahrelanger Arbeit und ohne allen Nutzen für mich, den Menschen durch Schriften zu helfen, und die Folge davon ist die, daß nicht nur mein Werk getadelt, sondern daß auch meine Person beschimpft wird." Wie konnte es auch anders sein, in einem Milieu, in dem er keine Wurzel hatte, keine fassen konnte, das -ihn, den Orientalen, nicht verstehen und vor allem mit ihm nicht fühlen konnte, das die barbarische Periode seiner Geschichte (wie die Periode der Völkerkriege dereinst wohl heißen wird) eben noch durchmachte, und das die Ethik der von ihm angenommenen Religion sich noch lange nicht zu eigen gemacht hatte. Dies dürfte auch Popper ungefähr geahnt haben, als er jenen Sätzen hinzufügte: „Ich kann diesen Zusammenhang, wenigstens bis heute, durchaus nicht verstehen, so viele Mühe ich mir gebe, dahinter zu kommen. Ich lege dieses, gewiß ganz neue, Problem den Rassenforschern*) zur Lösung vor, vielleicht erfahren wir da wieder etwas Neues". Jedenfalls ist es kein Zufall, wenn dem. jüdischen Leser die Hauptgedanken Poppers meistens als selbstverständlich vorkommen, oder wenn er sie ohne großen inneren Widerstand in sich aufnimmt, wenn er auch mit diesem oder jenem nicht einverstanden ist. Auch ist es kein Zufall, wenn die meisten Verbreiter seiner Ideen und Werke, durch Schriften und Aufsätze oder durch Vorträge und Referate, sowohl in Fachwie in Laienkreisen Juden sind. Was hätte Popper als schaffender Ingenieur und großer Menschenfreund leisten können, wenn er in seiner wahren Heimat gewurzelt und den verstärkenden Resonanzboden der ihm wesensgleichen jüdischen Gemeinschaft um sich gehabt und gefühlt hätte! So aber blieb sein Schaffen mit den Fesseln des Galuth behaftet. Deswegen können wir uns die anfangs gestellten Fragen nur ahnend beantworten, und deswegen hat es nicht viel Zweck, das technische Schaffen Poppers hier näher zu analysieren, wie sehr auch dies verlockend ist. Nur auf zwei seiner Arbeiten sei noch hingewiesen. Als Popper von Robert Mayers epochemachender Entdeckung des Gesetzes von der Erhaltung der Energie hörte, faßte er sofort den Gedanken: Wenn Energie niemals verloren geht, sondern nur in andere Formen übergeht, so könnte man doch bewußt alle Naturkräfte wie Wasser, Sonne, Wind, Ebbe und Flut u. a. in eine andere Energieform, wie z. B. in Elektrizität, transformieren, die sich an andere Orte, wo man sie gerade braucht, leicht transportieren läßt, und sie durch ein Netz von Leitungen, ähnlich wie das Leuchtgas, den Konsumenten zur Verfügung stellen, oder sie in mechanische, kalorische, chemische u. a. Energie zurücktransformieren. Der Gedanke der elektrischen Kraftübertragung war damit vollkommen da, und dieser Gedankengang war der eines sensorischen Typus, etwa nach dem Buberschen Schema: „Der Okzidentale schreitet stufenweise von der Erscheinung zur Wahrheit der Welt oder dringt in aufblitzender Intuition zu ihr vor." Als aber Popper, nachdem alle seine Bemühungen, die Hochschulkreise oder *) von mir gesperrt.

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