Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Ein jüdischer Ingenieur
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 482 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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482 Ammie! Maccär: Wird sie mit uns dorthin ziehen, um auch dort das arbeitende Volk in lebendige Automaten System Taylor zu verwandeln? Wird sie uns auch dort mit dem Segen der europäischen und amerikanischen, sogenannten Zivilisation beglücken? Werden wir auch dort am Zwiespalt zwischen Berufs- und Seelenleben leiden, ein Doppelleben führen, eines bei Tage, bei der Arbeit für irgend eine G. m. b. H., und eines nach Feierabend, bei der Arbeit für uns selbst und unsere Gemeinschaft? Ich sage, eine freudige Ahnung erfüllt uns beim Betrachten, des Lebenswerkes Poppers. Schon beim Anblick der Namen seiner Schriften. Hier: „Über die Benutzung der Naturkräfte", dort: „Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage"; da: „Physikalische Grundsätze der elektrischen Kraftübertragung", daneben: „Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben"; einmal: „Theorie der Konvergenz unendlicher Reihen und bestimmter Integrale...", ein andermal: „Phantasien eines Realisten"; dann: „Flugtechnik", „Das selbstventilierende Gradierwerk", „Vorausberechnung der Verbrennungs- oder Bildungswärme für Knallgas und andere Gasmengen" etc., etc. und „Die technischen Fortschritte nach ihrer ästhetischen und kulturellen Bedeutung", „Fundament eines neuen Staatsrechts", „Das Individuum und die Bewertung der menschlichen Existenzen" etc., etc. Welcher Zwiespalt scheint bei diesem gewaltigen Schaffen gewirkt zu haben? Ist Popper etwa wirklich Jude?... Daß er es von Geburt ist, wissen wir ja aus seiner Selbstbiographie. Daß er es voll Würde und Selbstbewußtsein blieb, erfahren wir aus seiner zuerst anonym erschienenen Schrift „Fürst Bismarck und der Antisemitismus" (1886). Daß aber das ganze Wesen Poppers, sein Denken und Fühlen, jüdisch ist, das ahnen wir zwar schon beim Anblick der obigen Gegenüberstellung der Titel seiner Werke, es wird uns aber zur Gewißheit, sobald wir uns in diese hineinleben. Gewiß kann Popper, der Galuth-Jude, das Kind des Prager Ghettos, der trotzdem dem Leben der jüdischen Massen in unverkennbarer Weise fremd blieb, höchstens ein repräsentativer Typus der bisherigen Juden sein, nicht aber ein Vorbild dessen darstellen, als was der Jude, zu einem normalen, völkischen Leben zurückgekehrt, erst nach einigen Generationen sich erweisen wird, und was kein Mensch bestimmt voraussagen kann. Wenn aber Popper wirklich ein so repräsentativer Jude ist, dann kann nicht daran gezweifelt werden, daß keiner so gut wie er, der fast alle Kulturgüter unserer „Wirtsvölker" in sich aufgenommen, verarbeitet und neu geschaffen hat, uns einen Anhaltspunkt bieten kann über das, was die Juden aus der Technik machen würden, wenn sie ein eigenes, freies, völkisches Leben führen würden. Man mag über die Bubersche Darstellung des Geistes des Judentums denken wie man will, man mag insbesondere glauben, daß, wenn dieser Geist auch wirklich so war, wie ihn Buber charakterisiert, er es nicht notwendig unter so veränderten inneren und äußeren Umständen bleiben müßte. Ich setze aber voraus, daß das Wesen des Orientalen und besonders des bisherigen Juden, im Gegensatz zu jenem des Okzidentalen, im großen und ganzen wirklich so ist, wie es Buber formuliert hat, nämlich ungefähr ein aus sozial-ethischer Erkenntnis heraus die Welt umzuändern suchendes „motorisches", im Gegensatz zu einem aus empirischdeduktiver Erkenntnis heraus die Welt zu begreifen suchenden „sensorischen" Wesen. Dann ist aber Popper ein hervorragender Vertreter eines solchen „motorischen" und nach der „Verwirklichung der Gemeinschaft" strebenden Typus. Schon durch sein literarisches Schaffen, In einer technischen Zeitschrift wurde neulich in flüchtiger Weise auf die Ähnlichkeit zwischen Josef Popper und Max Eyth als dichtenden und schaffenden Ingenieuren hingewiesen. Näher