Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1918-01-01 · Heft 10 · p. 471

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 10
Article
Grenzen der Politik
Date
1918-01-01
Page
471 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3101111-3101137-3101147-3103954--2863-3104000
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

___Markus Reiner: Der Industrialismus_^x „Arbeit am eigenen Werk" ist nicht etwa nur die sogenannte „höhere" oder „geistige" oder „künstlerische" Tätigkeit; sondern alles, was mit vollem Einsatz der Seele geschieht, also ebenso die liebevolle Versunkenheit des Handwerkers wie die Arbeit des genialen Organisators, dem Organisation Lebenslust und Auswicklung seines Ich bedeutet, wie die persönliche Bebauung des Bodens, wenn sie in Freiheit, d. h. nach genossenschaftlichem Prinzip geleistet wird. Viele junge Leute (dies sei nebenbei gesagt), die sich aus lauterstem Idealismus landwirtschaftlich auf Palästina vorbereiten und deren seelische Kraft dabei in der praktischen Arbeit auf irgendeinem deutschen Rittergut zusammenbricht, haben dieses eine Moment der Freiheit und sozialen Gerechtigkeit, das ihnen im Lande der Väter zu Hilfe kommen wird, außer acht gelassen. Trost und Kraft euch, ihr edlen Herzen l „Drüben" wird es zumindest in diesem einen Punkte leichter gehen als hier! Vor einer Illusion ist nun freilich aufs ernsteste zu warnen: daß es der Jugendbewegung gelingen werde, alle Arbeit zu „Arbeit am eigenen Werk" umzustempeln. In manchem Betrieb mag dies durch rein seelische Energie gelingen, indem (wie im obigen Beispiel der Bodenbebauung) neue Bedingungen geschaffen werden, unter denen die ganze Persönlichkeit an einer Berufsverrichtung beteiligt und auf diese Art ins edle Unglück, in die Konfrontierung mit dem Unendlichen hineingezogen werden kann. Zahlreiche industrielle Betriebe aber (durchaus nicht nur die Luxusbetriebe, auch lebensnotwendige, autarkische Industrien) müssen sich, da in ihnen die Arbeitsteilung zu weit vorgeschritten ist, dieser Veredlung entziehen. In all diesen Fällen, denen die mechanische Arbeit immanent ist und das „eigene Werk" auf keine Art eingegliedert werden kann, hilft nur ein anderes Mittel: tunlichste Einschränkung der Arbeitszeit, indem (was bisher noch nirgends in größerem Umfange oder gar ausreichend geschehen ist) jede neue Erfindung, die unter Ausnutzung der Arbeitsteilung den Produktionsprozeß automatisiert, zur Herabsetzung der Arbeitszeit (und nicht zur Verbiiligung des Produktes) ausgenützt wird. Eine solche Umwälzung der Industriepolitik hat freilich ein ganzes System gesetzgeberischer Maßnahmen zur Folge, auf das ich hier nicht näher eingehen kann. Voraussetzung aber ist, daß in der nächsten Generation kraft der Jugendbewegung ein radikaler Abscheu gegen die mechanische Berufsarbeit, diese Grundverderberin der modernen Gesellschaft, entsteht, so daß der tausendstimmige Ruf „Mehr Zeit!" für alle jene Berufe, die sich nicht zu „Arbeit am eigenen Werk" fortentwickeln lassen, alle Schranken der heutigen Welt durchschüttert prag Max Brod DER INDUSTRIALISMUS Die Invasion des Europäismus wird mit der Maschine kommen. Er wird versuchen, das israelitische Land mit Industrialismus zu überziehen. Einerseits, um es sich tributär zu machen. Hiergegen wird er gesamte Judenschaft wie einen Mann gestellt finden. Wir werden nicht dulden, daß das heilige Land in eine Produktionsstätte für „Mehrwerte", die nach Europa

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.