Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Das Verhältnis der Juden zu den Arabern
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 453 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Arthur Ruppin: Das Verhältnis der Juden zu den Arabern DAS VERHÄLTNIS DER JUDEN ZU DEN ARABERN Die Frage nach dem zukünftigen Verhältnis zwischen den Juden und den Arabern ist vielfach diskutiert worden. Sie kann nach unserer Meinung nur durch die Herstellung eines harmonischen Zusammenlebens zwischen Juden und Arabern gelöst werden. Wenn wir uns als Volk in Palästina wieder festsetzen und damit unsere Stellung in der vorderasiatischen Völkerfamilie, aus der wir vor fast 2000 Jahren vertrieben worden sind, wieder einnehmen wollen, so dürfen wir nicht mit dem führenden und zahlreichsten Gliede dieser Familie, dem arabischen, in Unfrieden leben. Wir werden auf Jahrzehnte hinaus in Palästina nur ein kleines Volk von höchstens ein bis zwei Millionen sein. Rings um uns werden Araber wohnen bis nach Aleppo im Norden, bis nach Bagdad im Osten und über Ägypten hinaus bis Marokko im Süden und Westen. Es ist nicht nur ein Gebot einfachster politischer Klugheit, mit diesen 30 oder 40 Millionen Arabern in Frieden zu leben, um nicht von ihnen erdrückt zu werden, es ist auch im höheren Sinne ein Gebot des nationalen Empfindens, das die sprach- und rassenverwandten Völker zueinander hinweist. Es ist wahr, daß sich d$r Anbahnung wirklich freundschaftlicher Beziehungen mancherlei Hindernisse in den Weg stellen. Zwischen den aus Osteuropa nach Palästina einwandernden Juden und den in Palästina seit vielen Generationen ansässigen Arabern besteht eine tiefe Kluft, und nur wenigen Einzeihen aus beiden Lagern ist es bisher gelungen, diese Kluft zu überbrücken und mit dem anderen Volke Fühlung zu gewinnen. Der Araber wirft dem Juden vor, daß er, auf seine europäische Kultur stolz, sich von dem Araber abgesondert halte und ihn als einen Menschen niederer Kultur behandle. Der Vorwurf ist nicht unberechtigt. Der Jude hat in der Tat die Neigung, auch in Palästina an allen europäischen Gewohnheiten festzuhalten und die Kultur der Araber an seinem „Europäertum" zu messen. Das ist dumm und dünkelhaft Mag seine Kultur wirklich in vielen Beziehungen der Kultur der palästinensischen Eingeborenen überlegen sein, so ist dabei immer zu berücksichtigen, daß der Araber nur durch Ungunst der äußeren Verhältnisse von seinem Kulturniveau herabsank. Aber er besitzt an sich gute natürliche Fähigkeiten, und es wird ihm sicher möglich sein, bei einem vernünftigen Schulwesen in gar nicht langer Zeit die Kulturstufe der Juden zu erreichen. Was der Jude dem Araber vorwirft, ist, daß er in dem Juden nur ein Objekt zum Geldverdienen sehe, daß er in der Begierde zum Geldverdienen aufgehe und für irgendwelche idealistische Regungen kein Verständnis habe. Daneben sind auch die häufigen Felddiebstähle und meist damit verbundenen Gewalttätigkeiten seitens der arabischen Bauern und Beduinen eine ständige Klage der jüdischen Kolonisten. Nun ist es wahr, daß der Araber tatsächlich eine stark materialistische Lebensauffassung hat. Man muß hierbei zwischen dem Fellachen (Bauern) in den Dörfern und dem „Effendi" in den Städten unterscheiden. Der arabische Bauer in Palästina ist ein gesunder und im Charakter noch nicht verdorbener Menschenschlag. Er ist mäßig, geduldig im Aushalten von Strapazen und gastfreundlich. Es ist richtig, daß es unter den Fellachen Elemente gibt, die zu