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Der Jude · 1916-06-01 · Heft 3 (Juni 1916) · p. 186

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 3 (Juni 1916)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1916-06-01
Page
186 (sequence 5)
Language
German
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186 Arno Nadel: Wer mir sainen, sainen mir, Ober Jiden sainen mir, Wos mir thuen, thuen mir Ober Tfilin trogen mir. Wer wir sind, sind wir, Aber Juden sind wir. Was wir tun, tun wir, Aber „T'füin'114) tragen wir. Ginsburg und Marek Nr, 23. - 1. Segensspruch über den Feststrauß am Laubhüttenfest 2. Segenssprüche bei den verschiedensten Gelegenheiten und Anlässen. 3. Plural von „hauscha-nou (Hosiannah: Hilf doch): Geoetstücke am siebenten Laubhüttentag. 4. Sündenbekenntnis, namentlich am Versöhnungsfest. 5. Insbesondere häusliche Lobgesänge zur Verschönerung des Sabbaths während der Mahlzeiten. 6. Der Segen über die Festlichter am Fest der Tempeleinweihung (durch die Makkabäer). 7. Gebetschal. (4. Mos. 15,37.) 8. Die Zeremonie des Bubopfers am Vorabend des Versöhnungsfestes. 9. Laubhütten, zur Erinnerung an die Hütten in der Wüste. 10. „Weiden" aus dem Feststrauß am Laubhüttenfest. 11. Schaufäden, — an den vier Enden des Gebetschals. 12. „Heiligung", wichtigster Wechselgesang (Anbetung der Engel) aus dem sogenannten Achtzehn-Gebete. 13. Das Neujahrfest der Juden hat keinen weltlichen, sondern einen heiligen, höchst weihevollen Charakter. 14. Gebetriemen beim Morgengebet an den Wochentagen. Ein wie viele andere nach den Zeichen des hebräischen Alphabets gedichtetes Lied, in welchem die einzelnen Buchstaben jedesmal eine spezifisch-religiöse Betätigung angeben. Was kommt es darauf an, ob die genannten Se.lbstlobpreisungen vor dem nüchternen Geiste standhalten? Die Melodie allein ist das Wesentliche, und wenn wir alle Strophen mitgeteilt haben, so taten wir es, um das Gewichtige, das schon vollauf in den ersten beiden Zeilen steckt, auch äußerlich nachdrücklichst zu dokumentieren. Natürlich kommt es dem Dichter nicht darauf «an, daß die „Auserwählten*', denen sein Lied gilt, die Chanukkah-Lichte anzünden, um an ein kindlich erdachtes Wunder zu erinnern; läßt er sich doch tatsächlich nur vom „toten" Buchstaben leiten und nimmt daher auch Unwesentliches mit, — wohl aber wird der Buchstabe lebendig, wenn es um „Gott dienen" geht, ums „Dawnen", um die Segen- und Lobsprüche, die der Jude auf Schritt und Tritt spricht, ums „Lernen", um die hohe Anbetung (KMuschah), um den Sabbath. Das alles erst läßt den Juden stolz und demütig ausrufen: sind wir auch, wie wir vor den Völkern sein mögen, — sind wir auch Händler und Schacherer, sind wir auch verhöhnt und verachtet, — sind wir Hunde in der Woche, so sind wir doch die Gotteskinder im Sabbathraum der Allgegenwart. Alle äußere Kultur entschwindet vor diesem heiligen Bekenntnis, alle Kunst wird schwächlich, nur die Religion bleibt, die Gottesnähe des „ewigen" Juden, des Gottesknechtes, des Gotteskindes, des reinen und tiefen Religionslehrers, — des Juden. „Was wir sind, sind wir, — aber Juden sind wir! Was wir tun, tun wir, — Aber Gott dienen wir" . . . Gott dienen und Jude sein, das ist Eines. Jude sein und tief und schön sein, tief und schön im reinen Raum, im andern Raum, im „Mokaum", im Räume selber, — das ist Eines. Das ist der Sinn des kunstlosen Liedes, über welches selbst der gewöhnliche Jude fast nur lächeln möchte. Der Dichter aber, als er zum erstenmal sein Wesen begriff und ebenso fanatisch wie zaghaft die allem Augen- und Schein-Menschlichen trotzenden Worte der ersten beiden Zeilen über die Lippen brachte, fühlte alles dies, was wir nur andeuten konnten, und noch viel mehr.

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