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Der Jude · 1916-06-01 · Heft 3 (Juni 1916) · p. 138

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 3 (Juni 1916)
Article
Deutsche Juden und polnische Juden
Date
1916-06-01
Page
138 (sequence 2)
Language
German
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13« Julius Berger: Frage der polnischen Juden geschwiegen. Hier zeigt sich der große Fehler, den die deutschen Juden damit begangen haben, daß sie sich daran gewöhnten, die Einheit der jüdischen Frage in der ganzen Welt, wenn nicht geradezu zu leugnen, so jedenfalls doch zu vernachlässigen. Indem sie sich fast krampfhaft darauf versteiften, nur die inneren Fragen der deutschen Judenheit in den Gesichtskreis ihres politischen Interesses zu ziehen und die jüdischen Dinge außerhalb Deutschlands nur unter dem Gesichtspunkt der Wohltätigkeit zu betrachten, haben sie nicht nur den Zusammenhang mit den sozusagen außenpolitischen Fragen des Judentums, nämlich den eigentlich politischen jüdischen Fragen, verloren, sie sind auch ganz unbewandert in der Technik der Behandlung dieser allgemein-jüdischen Dinge geblieben, es fehlt ihnen Ausgangspunkt und erkennbares Ziel, es fehlt ihnen der Einfluß und es fehlen ihnen die Mittel. Da der Krieg Polen und Rußland öffnet und die polnische Judenfrage in einer ungeahnten Schärfe und Dringlichkeit zeigt, stehen die deutschen Juden ungerüstet und unerfahren diesem großen Problem gegenüber, das hundert Möglichkeiten für sie birgt, aber auch tausend Gefahren. . Nur an einer Stelle ist so etwas wie ein geschlossenes Handeln der deutschen Juden gegenüber dem jüdisch-polnischen Problem zu spüren, in der Frage des Hilfswerks. Hier existiert von lange her eine ausgebaute Organisation mit einer im Frieden erprobten Technik, Sie hat auch das Kriegshilfswerk für die polnischen Juden auf sich genommen und ist von den amerikanischen Juden, die in großartiger Hingabe Unvergleichliches für das Hilfswerk an den kriegsnotleidenden Juden geleistet haben und von denen auch der weitaus größere Teil der nach Polen geflossenen Gelder herrührt, als die Vermittlungsstelle für die Überweisung der gesammelten Mittel anerkannt worden. In politischer Hinsicht dagegen ist nichts Einheitliches geleistet worden. Hier hat die Scheu der deutschen Juden vor jüdischer Außenpolitik jedes einheitliche Heraustreten der großen jüdischen Organisationen Deutschlands verhindert. Dagegen haben sich verschiedene politische Komitees gegründet, die unabhängig voneinander, man muß leider sagen, meistens gegeneinander sich bemüht haben, ihren mehr oder minder auf persönlichen Beziehungen beruhenden Einfluß bei den zuständigen Behörden für die Ordnung der jüdisch-polnischen Verhältnisse zu verwerten. Leider ist weder von der Arbeit des Hilfswerks noch von den Bemühungen der politischen Komitees viel Erfreuliches zu berichten. Sehr viel guter Wille, sehr viel Energie, sehr viel Geld ist in bester Absicht verwendet worden, aber alle Arbeit war von Anfang an mit einem Grundfehler belastet, der bezeichnend ist für die Auffassung, mit der die in Frage kommenden Kreise der deutschen Juden jüdische Dinge zu behandeln pflegen, und der sich bereits auf das schwerste gerächt hat. Der Geist der Bevormundung ist es, der das Werk der deutschen Juden an ihren polnischen Brüdern charakterisiert, dem die polnischen Juden lediglich als ein Objekt der Behandlung erscheinen und dem es gar nicht beikommt, daß es die erste, die selbstverständlichste Pflicht hätte sein müssen, die polnischen Juden zum Subjekt der Handlung zu machen. Schon in früherer Zeit, bei den Pogromen wurden Stimmen aus dem russischen Judentum laut, die sich gegen autokratisches Verfahren der deutsch-jüdischen Hilfsorganisationen wandten, Stimmen, die damals in manchen Kreisen ate Ausdruck

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