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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 432

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Loblieder
Date
1918-01-01
Page
432 (sequence 7)
Language
German
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432 Ernst Elijahu Rappeport: und meine Füße gehen in dem Deinen. Wenn ich aber dann den Kopf hebe und ansehe jegliches Ding, da auch bist Du mir gar nicht ferne. Denn Du hast es mir gegeben, daß ich nicht nur Ding an Ding halte, sie zu gleichen und messen, sondern Du hast mir Dinge aufgetan bis in ihr Inniges. Die Dinge reißen sich mir nicht in ihre Grenzen, sondern Du bist allezeit vor mir — die Wurzel ihres Eins. Und wo ein Ding Eins ist und nichts mit ihm, da ist Gott offenbar. Die Lippe des Inbrünstigen redet Gott in jedem Wort. Was wäre Dir heiliger, Du Höchster, als wenn sich ein Mund in Geradheit öffnet. Denn was er auch weiß und sagt, daß sich die Laute einen zum Wort und sich Worte übereinen zu Aussage, das geschieht allein durch Dich. Gott ist eingeschlagen in alles wahre Wort, Haschern ist aller rechten Rede Ein-band. Darum jubelt jegliches zu Dir, weil Du innig ganz bist in dem: „Es ist/' Der aus Abfall baut, kann aus Mangel segnen. Du innig Einer hast gesagt: „In Deinem ganzen Herzen!" Aus den Augen Hungers, Mangels und Verbrechens siehst Du mich an, aber mein Herz ist nur gefüllt mit Deiner Liebe zu ihm, dem Elenden, Und ist doch zugebunden mit der Schnur des Entsetzens, so bist Du nicht in meinem ganzen Herzen, solange der Schlund meines Herzens nicht aufgeschnitten ist. „Und in deiner ganzen Seele", so hast Du gesagt. Meine Seele breitet sich wie eine Decke um Dein Elend, aber aus ihrer Spröde findet sie damit nicht Einung, so liebt sie Dich nicht ganz. Du sagtest: „Mit deinem ganzen Können!" Ich aber habe dem Elenden nur geholfen, die Fessel des Geizes hat mich gebunden, daß ich mich nicht im Ärmsten Dir zum Ganzopfer gebracht. Aus meines Herzens Schwäche, aus meiner Seele Mangel, aus dem Unvermögen meines Könnens ist mein Abfall, Dir wendet er mich ab, aber ich bin daraus erhalten. Wie groß ist die Fülle meines Dankes, daß Gott mich aus meiner Unzulänglichkeit erhält, aus meiner Sünde mich segnet

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