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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 418

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Zur Universitätsgründung in Jerusalem
Date
1918-01-01
Page
418 (sequence 4)
Language
German
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4i8 Melr Wiener: für den suchenden Wahrheitsdrang des jüdischen Geistes, der auch die kritische Betrachtung seiner alten Kulturgüter nicht glaubt scheuen zu müssen. Jene Massen dagegen, die ein freies Forschen auf jüdisch religiösen Gebieten fürchten und denen jüdische Wissenschaft nur ein Tradieren feststehender überkommener Wahrheiten ist, brauchen keine Universität, sondern einzig auf die praktische Überlieferung dieser Traditionen beschränkte Unterrichtsanstalten. Und wie eine kulturelle Leitung des Gesamtjudentums ihnen die Befriedigung dieses ihres Bedürfnisses nach ihren Wünschen nicht vorenthalten darf, so muß es auch denjenigen, die — gleichgültig, wie sie sich praktisch zu den religiösen Sitten und Gebräuchen stellen — auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Lehre keine andere Instanz neben dem Gewissen des Forschers gelten lassen können, unbenommen bleiben, die Errichtung einer Universität, die ihrem Bedürfnis allein entspricht, in dem Geiste zu fordern, der die Freiheit der Forschung und Lehre nach allen Seiten hin sicherstellt. Ganz entschieden muß ich mich endlich gegen den Gedanken aussprechen, die Errichtung der judaistischen Fakultät auf einige Zeit über die Gründung der Gesamtuniversität hinaus zu verschieben, bis „die Art der neuen jüdischen Siedelung in Palästina und ihre religiöse und politische Struktur bereits in den Umrissen erkennbar ist", wofür, wie Fraenkel meint, einige Jahre genügen werden. Hält Palästina das, was wir von ihm erwarten, so dürfen wir auch in religiöser Beziehung nach langem Stillstand eine Zeit neuer lebensvoller Entwicklung im Lande erwarten, die eine einigermaßen dauernde Struktur wohl erst nach längerem Werden erhalten dürfte. Und wenn die Universität in Jerusalem ein Zentrum für das jüdische Geistesleben in und um Palästina bilden soll, kann ich mir jene Entwicklung nicht gut ohne die Mitwirkung der in der judaistischen Universitätsfakultät vereinigten Kräfte vorstellen, die allein auch zumindest in der ersten Zeit unserer Gründung das Charakteristische des Jüdischen geben und Wissensdurstige aus allen Ländern nach Palästina ziehen können. Wie immer aber diese Entwicklung sich gestalten möge, wäre es grundfalsch, von ihr die Lehr- und Lernfreiheit der wesentlichsten Disziplinen unserer Universität abhängig zu machen, die eine Zufluchtstätte sein soll für den in der Diaspora geknechteten jüdischen Geist. Wien _ Harry Torczyner as Gebet ist seinem Wesen nach lyrisch-explosiv, nicht episch aufbauend; ±J wie es von der Totalität den Gesamteindruck unmittelbar empfängt, so gibt es ihn auch in einem sprunghaft explosiven Ausdruck wieder. Der epische Geist baut, hierin dem wissenschaftlichen ähnlich, sein Gesicht stückweise auf; der lyrische faßt es mit einem Satz. Weil der dichterische Beter nicht von Einzelheiten,' sondern von der Totalität bewegt wird, weiß er nichts von Einzelheiten zu erzählen, spinnt er nichts allmählich aus. Sein Geist bricht unmittelbar hervor, ergießt sich im mächtigen Strahl plötzlich geöffneter Schleusen, Hastig, sich überstürzend stößt er hervor, was er erlitt, was ihn erschütterte, und plötzlich wie er zu sprudeln begann versiegt der Quell. Der dichterische VOM WESEN DES JÜDISCHEN GEBETES I.

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