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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 415

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Zur Universitätsgründung in Jerusalem
Date
1918-01-01
Page
415 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Harry Torczyner: Zur Universitätsgrfindung in Jerusalem 415 ZUR UNIVERSITÄTSGRÜNDUNG IN JERUSALEM Die vorstehenden Betrachtungen Adolf Fraenkels über die Organisation der hebräischen Universität in Jerusalem scheinen mir, so dankenswerte Anregungen sie im übrigen enthalten, in einem Hauptpunkte, auf den der Autor besonderes Gewicht zu legen scheint, nicht unwidersprochen bleiben zu dürfen. Dieser Punkt betrifft die Stellung der judaistischen Fächer und deren Besetzung im Rahmen der Gesamtuniversität. Der Gegensatz der religiösen Anschauungen, der das Judentum der Gegenwart in die Lager der Orthodoxen und Liberalen teilt, darf, so meint Fraenkel, auch bei der Vertretung der judaistischen Fächer an der zu gründenden Universität nicht unberücksichtigt bleiben. An dem Beispiel der verschiedenen Stellung beider Richtungen zur Bibel sucht er darzutun, daß eine Einigung der Parteien auf gemeinsame Richtlinien nicht erhofft werden könne. Weder könnte die Masse der gesetzestreuen Juden dazu ihre Zustimmung geben, daß an der von ihnen miterhaltenen Hochschule, für die gleichsam das gesamte jüdische Volk die Verantwortung trage, die heilige Schrift ausschließlich in der Auffassung der Wellhausenschen Schule vorgetragen werde, welche die Göttlichkeit der Thora bestreitet, noch auch könnten die nicht grundsätzlich auf traditioneller Basis Stehenden sich damit abfinden, die Wissenschaft vom Judentum in ihrem wichtigsten Zweige durch die Schranken irgendeiner Tradition begrenzt zu wissen. „Endlich aber würden auch wohl beide Richtungen . .. jeden. .. vermittelnden Weg abzulehnen berechtigt sein", besonders die orthodoxen Massen, weil „sie jede von einer Gesamtinstitution ausgehende Verbreitung von Lehrmeinungen, die der altjüdischen Überlieferung widersprechien, als einen Faustschlag gegen ihr religiöses Empfinden und ihre Anschauung von dem Wesen des jüdischen Volkes als Religionsnation empfinden würden." Darum schlägt Fraenkel Vor, die judaistischen Fächer aus dem Rahmen der Gesamtinstitution herauszuheben und ihre Organisation zwei getrennten Korporationen orthodoxer und liberaler Kreise zu übertragen, die je für sich orthodoxe und liberale Lehrer anstellen sollen „und zwar derart, daß Gelehrte aus den Kreisen beider Richtungen in einer nach der Größe und Leistungsfähigkeit der Organisationen im Einvernehmen mit den Universitätsbehörden zu bemessenden Zahl nebeneinander lehren." Versuchen wir die Voraussetzungen dieses Vorschlages auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, so scheint es gewiß nicht mehr als billig, daß Orthodoxe und Liberale, wenn sie als solche Parteien sich organisieren, bemüht sind, sich in allen Zweigen des jüdischen öffentlichen Lebens einen ihrem zahlenmäßigen Verhältnis entsprechenden Einfluß zu sichern. Eine solche Einflußnahme kann ihnen wohl auch in Fragen der jüdischen Erziehung nicht verwehrt werden und es wird von gegenseitigen Vereinbarungen abhängen dürfen, ob und welche Institutionen auf diesem Gebiete in gemeinsamer Arbeit oder von jeder Organisation für sich zu errichten sind- Den jüdischen Eltern und der großen Masse des Volkes kann das Recht nicht abgesprochen werden, die Erziehung ihrer Kinder in jene Richtung zu lenken, die sie für wünschenswert halten. Ganz anders aber liegt die Sache in der Frage der Schaffung einer jüdischen Universität. Eine Universität ist in erster Linie nicht Unterrichtssondern Forschungs-

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