Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Praktisches zur Universitätsgründung in Jerusalem
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 405 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Praktisches zur Universitätsgründung in Jerusalem 405 für die ich — namentlich auch für diejenigen des zweiten Abschnitts — auch die Aufmerksamkeit der am Gründungswerk unmittelbar Beteiligten mir zu erbitten erlaube. Da Anregungen der folgenden Art sich sicherlich besser zu frühzeitig als verspätet einstellen, so trage ich kein Bedenken, schon in einer Stunde, da noch der Kriegslärm tobt, mit teilweise speziellen Vorschlägen zu kommen; mit Gottes Hilfe wird bald ernstlich an den Aufbau dieser Stätte der Wissenschaft durch das jüdische Volk herangetreten werden können. I. Im ersten Abschnitt der folgenden Erörterungen, der den engeren Universitätsangelegenheiten im allgemeinen gewidmet sein soll, wird vor allem die Frage nach dem wünschenswerten Umfang des Kreises der an der Universität zu lehrenden Fächer und im Zusammenhang damit die weitere Frage nach der Einteilung jenes Kreises in Abteilungen oder „Fakultäten" aufzuwerfen sein. In Europa und Nordamerika existieren — abgesehen von den hier nicht in Frage kommenden Kunstakademien — außer kleineren und speziellen höheren Fachschulen (wie z. B. den Bergakademien, Forstakademien, Tierärztlichen Hochschulen in Deutschland, der Ecole des Mines und der Ecole des Ponts et Chaussees in Frankreich) vor allem zwei Gattungen von Hochschulen: die eigentlichen Universitäten, die ausschließlich oder vorzugsweise der Pflege der theoretischen Wissenschaften gewidmet sind, und die technischen Hochschulen oder Polytechniken, die vornehmlich der angewandten Wissenschaft und der Technik dienen. Die Anstalten der letzteren Art gehen wesentlich zurück auf die z. Zt. der französischen Revolution (1794) gegründete vorbildliche „Ecole Polytechnique" in Paris, und besitzen heute neben dieser Anstalt ihre vorzüglichsten Vertreterinnen im „Eidgenössischen Polytechnikum" in Zürich und den „Technischen Hochschulen" in Deutschland und Österreich-Ungarn. Weiterhin besteht eine Zweiteilung dieser Art u. a. in den Niederlanden, den skandinavischen Ländern und Rußland, teilweise auch in England (Imperial Institute), Italien und den Vereinigten Staaten. Dagegen fällt in den zuletzt genannten Ländern, z. T. auch in der Schweiz (Lausanne) und in Frankreich (Nancy, Lille usw.), auch die Pflege der angewandten und technischen Wissenschaften und die Ausbildung der Ingenieure vielfach oder sogar in erster Linie den Universitäten zu, die zum Teil zu diesem Zweck eine besondere Technische Fakultät aufweisen. Für die künftige jüdische Universität erscheint mir nun bei weitem vorzuziehen das zweitgenannte System, also die Einfügung einer Technischen Fakultät in den Rahmen der Universität und nicht etwa die Errichtung einer besonderen Technischen Hochschule innerhalb oder außerhalb von Jerusalem*). Hierfür sprechen zunächst die im allgemeinen für das angeführte System geltend gemachten Erwägungen: gegenseitige Förderung der verschiedenen Fakultäten und Fachgruppen, breitere Grundlage für die Ausbildung der Studenten, vermehrte Anregungsmöglichkeit für die Dozenten, intensivere Ausnützung und bessere Ausgestaltung der bibliothekarischen und anderer Hilfsmittel. Dieser letztere Punkt aber leitet über zu einem für Palästina besonders maßgebenden Argument zugunsten der Verknüpfung der höheren technischen *) Die Frage der technischen Mittelschulen, wie eine solche in dem Technikum in Haifa vorliegt, ist davon völlig unabhängig und wird durch Obiges nicht berührt.