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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 404

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Die ersten Sozialisten in der hebräischen Literatur
Date
1918-01-01
Page
404 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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404 Adolf Fraenkel: Liebermann hatte in seinem persönlichen Leben sehr viel des Sozialismus wegen zu leiden. Die österreichische Regierung wies ihn aus Wien an die preußische Grenze aus. Hier wurde er auf Verlangen Rußlands verhaftet. Nachdem er einige Monate im Moabiter Gefängnis zu Berlin saß, wurde er verurteilt, Deutschland zu verlassen. Er wurde an die Schweizer Grenze gebracht, und von dort ging er nach Amerika. In New York, wohin er im Jahre 1879 kam, erlebte er eine Enttäuschung am Sozialismus, da er unter seinen Genossen, den Narodowolzy, das Eindringen des Antisemitismus wahrnahm. Das erschütterte ihn so, daß er sich 1880 erschoß. Elieser Zuckermann ist zum nationalen Bewußtsein bald nach seiner Verschickung nach Sibirien zurückgekehrt. Sein liebstes Buch in der Katorga war die Bibel. Nach seinem Tode fand man bei ihm ein Manuskript, Gedichte in hebräischer und jiddischer Sprache enthaltend', die er in Sibirien verfaßt hatte und die die Tragödie der jüdischen Seele in der Fremde zum Gegenstand haben. Eine gewaltige Wirkung übten auf den Werdegang der ersten Sozialisten in der hebräischen Literatur die Pogrome der achtziger Jahre. Sie verloren den Glauben an die russische Intelligenz und suchten Trost im jüdischen Nationalgedanken. Dr. Kaminer wurde einer der begeistertsten Nationaldichter. Sein letztes Gedicht, das er vor seinem Tode in „Haschiloach" veröffentlichte, ist ein erschütterndes Bekenntnis zu der jüdischen Erlösungs- und Auferstehungsidee. Der Dichter Jehalel und der verstorbene Altmeister der Haskala Lilienblum bereuten ebenfalls öffentlich ihre „Jugendsünden" und wurden Anfang der achtziger Jahre eifrigste Verfechter der Chibat-Zion, des Ideals einer Wiedergeburt des jüdischen Volkes im jüdischen Lande. Wilna S. L. Zitron PRAKTISCHES ZUR UNIVERSITÄTSGRÜNDUNG IN JERUSALEM Die folgenden Betrachtungen und Vorschläge sind von einem zwiefachen Standpunkt aus erwachsen: einmal von dem des auf dem Boden des überlieferten Judentums stehenden Zionisten, der die nationalen Institutionen in solcher Weise eingerichtet und ausgebaut sehen möchte, daß ihm und seinen engeren Gesinnungsgenossen religiöse Gewissenskonflikte erspart bleiben, ohne daß dadurch umgekehrt den . religiös anders orientierten Volksgenossen ein Gewissenszwang auferlegt werde; zweitens vom Standpunkt des Universitätslehrers, der namentlich die in vielen Beziehungen vorbildlichen Einrichtungen des deutschen Universitätswesens — samt manchen Nachteilen desselben — einigermaßen kennt und das palästinensische Werk vor Ab- und Umwegen bewahren möchte. Bei der gegenwärtig nur in beschränktem Maß vorliegenden Berichterstattung aus Palästina und London und angesichts der Tatsache, daß ich fast seit Kriegsausbruch im Feld stehe, mag es nicht ausgeschlossen sein, daß der eine oder andere Punkt der folgenden Ausführungen sich mit schon anderweitig Behandeltem berührt. In der Hauptsache hoffe ich aber neue Anregungen zu bringen,

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