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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 8-9 · p. 360

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 8-9
Article
Von der Eigenartigkeit jüdischer Politik
Date
1918-01-01
Page
360 (sequence 3)
Language
German
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36o Oskar Epstein: ungarischen Heere angehörten, die aber doch die praktische Gewalt über denjenigen Teil dieses Heeres besaßen, der sich aus den Völkern Ungarns rekrutierte . Die bewaffneten Fäuste, die wir schaffen können, sind die bewaffneten Fäuste — anderer. In der ganzen Welt haben wir Soldaten, aber wir haben kein Verfügungsrecht über sie. Außerhalb Palästinas fehlt uns aber auch die Möglichkeit, unsere Politik auf dem Besitz des Bodens aufzubauen. Denn wir können kaum irgendwo den Hauptteil der Nahrungsmittelproduktion in die Hand bekommen. Und die Möglichkeit, nationale Feinde auszuhungern, ist die einzige, die in der Kampfweise und in der Wirksamkeit mit einem nationalen Heer zu vergleichen ist. Das haben in diesem Krieg besonders deutlich die Tschechen gezeigt, die Österreich wirksamer mit dem Hunger als mit den Waffen bekämpft haben. So wird sich bald auch außerhalb Österreich-Ungarns erweisen, daß alle jüdische Politik, soweit sie nicht eine dem jüdischen Gemeinschaftswillen entsprechende eigenartige Gemeindepolitik ist, aus Mangel an jenem Boden und jenen bewaffneten Fäusten denselben Zusammenbruch erleben muß wie jüngst in der Ukraine. Aus einer richtigen Empfindung heraus vermögen auch die Juden für eine derartige Analogiepolitik, wie ich sie nennen möchte, dauernd keine Opfer zu bringen. Im Augenblick kann sie ja mit dem, was jüdische Politik sein sollte, leicht verwechselt werden und vermag dann für ganz kurze Zeit auch die Begeisterung des Volkes zu erwecken. So geschah es z. B. in Galizien, als die jüdischnationale Partei zum erstenmal in den Reichsratwahlkarnpf eingriff, um an Stelle der bisherigen polnischen Politik der Juden eine jüdische Politik zu beginnen. Ließen sich ja z. B. damals die Drohobyczer Juden lieber erschießen, als für den Kandidaten des Polenklubs zu stimmen. Als aber der so erkämpfte jüdische Klub im österreichischen Reichsrate nichts anderes zu tun wußte, als die politische Methode der anderen Völker ohne deren Machtmittel zu übernehmen, da sank die Teilnahme der galizischen Juden an dieser Art der jüdischen Politik sehr rasch. Sie blieb auch erfolglos. Es ist wohl kein Zufall, daß Herzl, der doch in Österreich lebte, zu keiner Forderung nach einer österreichisch-jüdischen Politik gelangte, wie die österreichischen Zionisten sich sie nach seinem Tode zur Aufgabe machten. Und sicher aus seinem Gedankenkreise heraus hat Nordau geradezu eine Teilnahme an der Politik der nichtjüdischen Völker für ausdrücklich vereinbar mit dem Zionismus gehalten. Er verlangte bekanntlich bloß das aufrichtige Bekenntnis zum Zionismus diesen nichtjüdischen Gemeinschaften gegenüber und meinte dann, der Zionist könne sich ebenso gut in deutschen, tschechischen und magyarischen Vereinen betätigen, wie es (natürlich in Friedenszeiten) französische, englische und andere Offiziere im deutschen Heer und umgekehrt gebe. Und im Kriegszustand mit den uns umgebenden Völkern befinden wir uns ja wirklich nicht. Trotzdem liegt dieser Argumentation ein Fehler zugrunde, an der wir nur die Empfindung für richtig und sehr beachtenswert halten, daß die Begründung einer politischen jüdischen Kampfeinheit nach Muster der nichtjüdischen keineswegs im Sinne unseres Gemeinschaftswillens liegt Es ist ebenso falsch, die nichtjüdische Politik irgendwie zu bejahen, wie es der Wille wäre, eine ihr analoge jüdische Politik zu beginnen. Diese wie jene sind unserem jüdischen Gemeinschaftswillen wesensfremd. Und damit kehren wir zum besonderen Ausgangspunkt dieser Ausführungen zurück. Wenn wir nämlich jene Politik der österreichischen Nichtjuden betrachten,

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