Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die Revolution und wir
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 347 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Herrn an Glenn: Zur Friedenskonferenz 347 werden. Es wird alsdann seine nationale Idee nicht mehr zu begründen und kundzugeben, sondern zu leben haben. Aber welcher Art und welcher Höhe dieses sein Leben sein wird, das hängt zuallererst davon ab, welchen Anteil es, ob es nicht hinnehmenden und ausführenden bloß, sondern ausgestaltenden und verwirklichenden Anteil an jenem anderen Ideal nehmen wird, das heute nicht wie das nationalistische sich erfüllt und vollendet, sondern sich verwandelt: ob es in Palästina der Welt die Tat darbringen wird, deren nur das Judentum, und nur das neue Judentum fähig ist — seinen besonderen Beitrag zum Werk der Menschheits-Revolution, zur Wiedergeburt der Gesellschaft aus dem Geist der Gemeinschaft. „Denn der Äon eilt mit Macht zu Ende." Martin Buber ZUR FRIEDENSKONFERENZ Mitten aus den Wehen der auch für uns anbrechenden neuen Zeit, während an allen wesentlichen Stellen sich gewählte Repräsentanzen unseres Volkstums bilden — zum Teil in der bedrohlichen Atmosphäre von Pogromen, mit denen geängstete rückständige Besitzerinstinkte einen blutigen letzten Versuch machen, unentrinnbare elementare Massenbewegungen von den eigenen Sphären abzulenken —, mitten in dieser Zeit muß ein einheitliches Programm der jüdischen Nation für die kommenden Friedensverhandlungen gesichert werden. Eine Vertretung der Judenheit bei der großen Völkerkonferenz ist nicht nur erwünscht, sie ist absolute Notwendigkeit. Nicht irgendwelche Einflüsse geltend zu machen haben wir, sondern klar postulierte Rechte der Nation, die von Beauftragten dieser Nation selbst auch vertreten werden müssen. Aufgabe der bereits vorhandenen Repräsentanzen wird es sein, hier die notwendige letzte Wahl rechtzeitig vorzunehmen. Ost und West, Europa und Amerika müssen sich auf das rascheste darüber verständigen; denn jeder Tag ist nun kostbar. Unser Programm ist klar: einerseits die völkerrechtliche Anerkennung der jüdischen Nation und Gründung einer zentralen jüdischen Staatsgemeinschaft in Palästina, andererseits die bürgerliche Gleichberechtigung und Gewährung der nationalen Autonomie in allen sonstigen Staaten. Dieser letzte Punkt darf aber nicht als spezifisch jüdische Forderung aufgestellt werden, wodurch ihm, zu Unrecht, nur ein ganz begrenztes Gewicht zukommen würde. Vielmehr muß er sich aus allgemeinen Prinzipien des Völkerbundes ergeben, auf die es allein im künftigen Völkerrecht ankommt und die allein imstande sind, die Vertreter aller, auch der großen Nationen zu gewinnen. Unsere eigenen Vertreter würden demnach auf der Friedenskonferenz, zumal bei der Festlegung der Grundsätze über die Behandlung der nationalen Minoritäten und über das internationale Fremdenrecht, Fassungen zu erstreben haben, deren konkrete Anwendung den Juden in allen Ländern ihre vollen menschlichen, staatsbürgerlichen und nationalen Rechte verbürgen müßte. Man darf nicht vergessen, daß vielleicht post festurn einige Staaten des jetzt balkanisierten europäischen Ostens Versuche unternehmen werden, uns diese vor Welt und Gott unwiderruflichen Rechte mit allen erdenklichen Mitteln zu schmälern — völkerrechtliche Sicherungen gegen Anschläge dieser Art sind unumgänglich.