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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 7 · p. 323

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 7
Article
Vom ostjüdischen Handel
Date
1918-01-01
Page
323 (sequence 19)
Language
German
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Rafael Seligmann: Die goldene Kette 323 Lebensentfaltung einleitet, haltmachen. Die Dinge im Osten sind vorläufig im Flusse begriffen, und die Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung der durch die infolge der massenhaften Kriegsevakuationen und der Aufhebung der Aufenthaltsbeschränkungen eingetretene Verschiebung der Siedlungsverhältnisse schon ohnehin von Grund aus gewandelten, nunmehr aber teils von mitteleuropäischer Isoliertheit, teils von den Wogen der sozialen Revolution bedrohten und gefährdeten ostjüdischen Wirtschaftsstellung, der Handelstätigkeit vor allem, entziehen sich im gegenwärtigen Augenblick jeder menschlichen Voraussicht Begnügen wir uns daher mit der Feststellung, daß dem von uns in den vorliegenden Ausführungen entworfenen Bilde eines bedeutsamen Ausschnittes ostjüdischen Sozial- und Wirtschaftslebens in wesentlichen Zügen bald nur noch historische Bedeutung zukommen wird. Berlin Leo Rosenberg DIE GOLDENE KETTE Das Drama von Perez „Die goldene Kette" hat beim jiddisch lesenden Publikum keinen merklichen Widerhall ausgelöst, wiewohl doch Perez im allgemeinen über einen Mangel an Aufmerksamkeit seinen Werken gegenüber sich wahrlich nicht beklagen konnte. Und auch die jiddische literarische Kritik ging an diesem merkwürdigen dramatischen Fragment beinahe achtlos vorüber, obgleich das dichterische Schaffen von Perez sich ihrer besonderen Gunst erfreute. Man muß aber auch sagen, daß dieses Drama in den Schöpfungen des Dichters, ja in der gesamten jiddischen Literatur eine etwas abseitige Stellung einnimmt und aus dem Rahmen der üblichen Themen jiddisch schreibender Dichter fast vollständig herausfällt. Und doch hat es Perez mit dem besten Blute seines Herzens geschrieben, doch hat er während langer Jahre seiner schriftstellerischen Tätigkeit daran unermüdlich gefeilt und gearbeitet, doch scheint dieses unvollständig gebliebene Werkchen mit den intimsten Bestrebungen seines Geistes verwachsen zu sein, und scheinen die daselbst behandelten Fragen die zartesten Saiten seiner Seele berührt zu haben. „Die goldene Kette" — das war der „Faust" von Perez, und eine etwas aufmerksamere Betrachtung wird herausfinden müssen, daß die darin entwickelten Gedankengänge den Niederschlag eines lebenslänglichen Nachdenkens über Fragen bilden, die den Dichter von jeher intensiv beschäftigten und die er in seinen früheren Dichtungen hier und da streifte, wiewohl er sie früher nie zum Austrag brachte. Im Mittelpunkte dieser Probleme steht das der Erlösung. Zögernd und mit Bedacht trat Perez an die Aufgabe heran, die an den gestaltenden Künstler und den denkenden Menschen so gewältige Anforderungen stellte. Aus den mannigfachen Umgestaltungen seines ursprünglichen Entwurfes ersieht man zur Genüge, wie hart der Dichter nach einer passenden Fassung des ihn beschäftigenden Themas rang, und in welchem Grade er sich der Schwierigkeit des Unternehmens bewußt war. Übrigens lag dieses Thema in der ganzen Richtung seines Geistes und wie seine früheren Leistungen bezeugen, hat er sich mit dem Gedanken eines derartigen dichterischen Versuches schon lange herumtragen müssen. Aber nur ein reiferes Stadium des Schaffens und eine härtere Prüfung in der Schule des Lebens ermöglichten es ihm, mit diesem Ge-

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