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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 7 · p. 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 7
Article
Vom ostjüdischen Handel
Date
1918-01-01
Page
307 (sequence 3)
Language
German
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Vom ostjüdischen Handel 307 II Gesamthöhe des Umlaufskapitals in Millionen Rubel I II III IV V VI VII Insgesamt Pflanzliche Produkte Tierische Produkte Holz und Holzerzeugnisse Hütten- Produkte Manufaktur Getränke Vermischte Gruppen In 15 Gouvernements des Ansiedlungsgebietes.......... 264,2 69,7 59,6 107,0 248,6 176,7 306,9 1232,7 In 10 Gouvernements des Königreichs Polen.............. 51,8 44,2 13,8 65,4 124,5 69,0 144,9 5i4,o Im gesamten Ansiedlungsgebiet . . 316,0 H3,9 73,4 172,4 373,i 245,7 451,8 746,7 In Gesamtrußland......... "S5,x 497,2 219,3 555,2 1292,6 814,8 1499,1 6033,7 Prozentverhältnis der Gesamtsumme des Umlaufskapitals jeder Gruppe zur Gesamtsumme des Umlaufskapitals im Ansiedlungsgebiet .... 18,1 6,5 4,2 9,8 214 14,1 25,9 1000 Prozentverhältnis der Gesamtsumme desUmlauf skapitals imAnsiedlungsgebiet zur Summe des Umlaufskapitals in Gesamtrußland in jeder 27,3 22,9 38,4 3i,o 28,8 39,i 39,i 28,8 In den 15 Gouvernements des russischen Ansiedlungsgebietes gab es demnach 1900128107 Handelsbetriebe mit einem Gesamtumlaufskapital von 1232,7 Millionen Rubel, mithin durchschnittlich auf einen Betrieb 9600 Rubel. In Polen wurden 56951 Handelsunternehmungen mit einem Gesamtumlaufskapital von 514003 Rubel ermittelt — durchschnittlich 9000 Rubel auf je einen Betrieb*). Insgesamt bestanden im Ansiedlungsgebiet 185028 Handelsbetriebe mit einem Gesamtumlaufskapital von 1746,7 Millionen Rubel. Es bildet dies 38,7 der Gesamtzahl der Handelsunternehmungen und 28,8°/0 des gesamten Umlaufskapitals Gesamtrußlands, Das Durchschnittsumlaufskapital für je einen Betrieb erreicht im Ansiedlungsgebiet 9440, außerhalb desselben 12600 Rubel. Bei allem Vorbehalt wird man, in Berücksichtigung des Umstandes, daß 1/2—3/4 des gesamten Handelsumsatzes im Ansiedlungsgebiet durch jüdische Hände geht, diesen Feststellungen einige Bedeutung nicht absprechen können. Unzweifelhaft aber geht aus diesen Angaben die Tatsache des niedrigeren durchschnittlichen Umlaufskapitals der jüdischen Handelsunternehmungen hervor. Dem Vorherrschen des Kleinkapitals gesellt sich im ostjüdischen Handel der Umstand einer durch die in geschichtlichen Gegebenheiten wie in den Rechtsbeschränkungen wurzelnden Überfüllung bedingten gesteigerten Konkurrenz zu. Diese beiden Faktoren sind es, die der ostjüdischen Handelstätigkeit ihr eigenartiges Gepräge verleihen und ihre Sonderstellung bestimmen. Eine unmittelbare Folge der gesteigerten Konkurrenz ist, daß im jüdischen Handel die Verkaufspreise niedriger, die Einkaufspreise höher sind als im nichtjüdischen. Der jüdische Handel muß sich so mit einem geringeren Profit begnügen. Dieser geringere Nutzen jedes einzelnen Geschäfts muß nun *) Die vielfach angeführten, einem Aufsatz in dem in Warschau erscheinenden „Tygodnik Illustrowany" entnommenen Angaben über die Zahl der jüdischen und nichtjüdischen Handels- und Industrieunternehmungen in Polen von Leon Wasilewski (in „Die Judenfrage in Kongreßpolen", Wien 1915) entbehren jedes wissenschaftlichen Wertes. Abgesehen von dem keineswegs tendenzfreien Charakter dieser „Quelle" stützen sich diese Angaben lediglich auf die „ziemlich genauen Kenntnisse der Verhältnisse" des unbekannten Gewährsmannes und den „Klang der Namen der Firmeneigentümer".

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