Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Vom lebendigen Hebräisch
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 291 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3101111-3101137-3101144-3103555--2632-3103613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ernst Müller: iJie rechte Zeit 291 Theorie und Praxis- Es ist der Vorschlag gemacht worden, die Gründung eines zentralen Institutes für die hebräische Sprache anzustreben. , Nicht eine akademische Körperschaft, die mehr ein nationales Dekorum bildet, sondern ein Institut der Arbeit und Forschung. Es sollen berufene Kräfte alle Aufgaben übernehmen, die aus der Renaissance der Sprache sich ergeben: sprachliche Sammlungen sollen angelegt, altes Sprachgut gehoben werden, Spezialwörterbücher für Perioden und Fächer sollen das Material ausbreiten. Der Arbeit an der hebräischen Sprache soll ein Zentrum geschaffen werden, der Forschung eine Stätte, von wo aus der Praxis des Sprachlebens in Beratung und Kritik Hilfe kommen soll. Heute gibt es nirgends einen Ort, wo die hebräische Sprache als lebende in ihrer letzten Entwicklungsphase wissenschaftlich getrieben oder wissenschaftlich gelehrt wird. Die wenigen bedeutenden Hebraisten, die heute in Palästina wirken, haben sich zufällig entwickelt. Woher sollen wir in Zukunft hebräische Lehrkräfte für Mittelschulen in Palästina nehmen? An einem solchen Sprachinstitut könnte auch die Wissenschaft der hebräischen Sprache und ihre Lehre einen Platz finden. Ein solches Institut könnte auch die hebräischen Elemente in den jüdischen Mischsprachen erforschen. Abteilungen für jüdische Folklore, Palästinaforschung und biblische Archäologie könnten sich vielleicht anschließen. Die Gründung dieses Instituts ist eine dringende Aufgabe. Die Verantwortung ist gerade in der Zeit der Sprachrenaissance sehr groß. Es ist ein sehr Winziges, was über das Schicksal von Sprachwerten entscheidet. Ein Geschäftsschild, eine Handelsreklame, eine Zeitungsannonce. Es muß den jüdischen Organisationen und Institutionen klar werden, daß die hebräische Sprache ein nationales Gut ist, das gehegt und gepflegt sein will. Nicht nur daß hebräisch gesprochen werde, sondern wie es gesprochen werde, darauf sei das Augenmerk gerichtet. Gerade jetzt ist es Zeit, uns zu merken, daß wir in Palästina jene jüdischen völkischen Gruppen haben, von denen die lebende hebräische Umgangssprache getragen wird. Wir besitzen an ihr eine lebende Sprache» die unsere ganze Geschichte seit ihren ersten Anfängen bis heute begleitet hat und in eine große Zukunft hinausblicken kann. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß die zukünftige Gestaltung der Dinge in Palästina auch auf die Entwicklung der Sprache von Einfluß sein kann. Soziale Momente, die einsetzende nationale Bewegung, die nationalen Ämter und Kulturwerke haben die hebräische Umgangssprache sich entwickeln lassen, staatliche Anerkennung und Förderung, offizieller Gebrauch bei staatlichen Behörden können da noch von ganz anderem Einfluß sein. Die hebräische Sprache ist ein nationales Gut, das wir verlieren oder wieder erwerben können, z. Zt. Berlin E. M. Lipschütz (Jerusalem) DIE RECHTE ZEIT Sohar, fol. 195 a—b. Rabbi Chija und Rabbi Josse gingen einst des Weges zusammen. Sprach Rabbi Josse: „Ich wundere mich darüber, daß König Salomo all seine Worte in dunkler Form, ausgesprochen hat; so schließt auch das Buch Kohelet lauter Geheimnisse ein." Und Rabbi Chija zog den Schriftsatz heran (Kohelet 1, 8): »Alle Dinge sind mühevoll, kein Mann kann es aussprechen, das Auge wird nicht satt es zu schauen und das Ohr nicht voll des Hörens".