Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Grenzschutz
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 251 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Herrn an Kranold: Das Interesse der deutschen Sozialisten am Zionismus 251 erfolgt, ist schärfster Ausdruck einer Politik, die wir Juden uns durchaus nicht gefallen lassen können. Es darf heute nirgends in der Welt mehr möglich sein, daß — unter welcher Begründung immer — Juden anders behandelt werden als Nichtjuden, nirgends in der Welt mehr, auch nicht in Deutschland. Das Land aber, wo solches dennoch geschieht, faßt an glühendes Eisen. Wenn eine antisemitische deutsche Politik glaubt, die Gefühle des jüdischen Volkes und die Achtung, die die ganze Welt ihnen entgegenbringt, so gering einschätzen zu können, wie es sich in den Grenzschlußverfügungen zeigt, so mag sie das vor denen verantworten, die sich später den Schaden besehen werden, den sie Deutschland damit zugefügt haben. Theodor Behr DAS INTERESSE DER DEUTSCHEN SOZIALISTEN AM ZIONISMUS 1. ie die „Jüdische Rundschau" zu berichten weiß, ist aus verschiedenen Notizen in deutschen Tageszeitungen und aus wahllosen Berichten und Beschwerden, die an die „Jüdische Rundschau" gelangt sind, einwandfrei darauf zu schließen, daß zwar eine sehr intensive Anwerbung von Arbeitskräften in ganz Polen, Litauen und der Ukraine für Deutschland betrieben wird, daß aber ausdrücklich und ausschließlich Juden von dieser Anwerbung ausgenommen sind. Weiter teilt das genannte Blatt mit, daß eine ganz eindeutige Verfügung zu bestehn scheine, die die Einlassung von jüdischen Arbeitern nach Deutschland verbiete. Ja sogar diejenigen jüdischen Arbeiter, die mit Urlaub ihrer Arbeitgeber zum Besuch ihrer Angehörigen nach dem besetzten Gebiet heimreisen, werden an der Rückreise nach Deutschland verhindert, obwohl diese Arbeiter vorher in Deutschland eine Kaution von 100 bis 200 Mark hatten hinterlegen müssen, die verfällt, wenn sie nicht wieder nach Deutschland kommen. Der Wortlaut der Verfügung ist nicht bekannt. Soweit die Mitteilungen der „Jüdischen Rundschau". Man braucht garnicht den Wortlaut dieser Verfügung zu kennen, um sich klar zu werden, daß hier in der Tat eine ganz außerordentliche Dummheit gemacht wird. Man sollte meinen, daß bei der gegenwärtigen Lage des Ärbeitsmarkts in Deutschland jede Arbeitskraft, woher sie auch komme, willkommen wäre, sofern sie nur Tüchtiges leistet. Im allgemeinen hat ja auch selbst der Fiskus sich entschließen müssen, bei der Auswahl seiner Eisenbahn- und sonstigen Staatsarbeiter die politische Gesinnungsschnüffelei einzustellen; um so erstaunlicher muß es einem vorkommen, daß nun grade gegen die jüdischen Arbeiter des Ostens solch scharfe Saiten aufgezogen werden. Sympathien unter den östlichen Juden wird sich das Deutschtum dadurch sicher ebensowenig erwerben, wie durch die sonstigen zahlreichen und schweren Mißgriffe, die von den deutschen Verwaltungsbehörden in den besetzten Gebieten Rußlands begangen worden sind. Wenn Abhilfe für diese Beschwerden erwartet wird, so kann diese, wie die Dinge heute liegen, wohl nur von der Sozialdemokratie erreicht werden. Leider steht aber die Sozialdemokratie in Deutschland den ostjüdischen Fragen noch außerordentlich kühl gegenüber; sie denkt nur daran, sich um das Schicksal der