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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5 · p. 246

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 5
Article
Das Zeugnis: "Jiskor"
Date
1918-01-01
Page
246 (sequence 3)
Language
German
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246 Bücherschau vollenden und reinigen den j üdischen Menschen wie jeden Menschen; die Natur erst und sie endgültig macht das Leben lebenswert und den Tod leichter und schwerer, und schließlich: leichter. Daß dies Land ihnen den Tod und mit ihm eine schüchterne und einfache Unsterblichkeit schenkte, nachdem es ihnen die Arbeit und das Leben geschenkt, führt schon in die Problematik ein, mit der es noch auf lange behaftet ist. Einige starben an der Arbeit, die meisten von den Kugeln der Araber. Kamen sie also als Eroberer und Feinde? Nein; sie arbeiteten auf den Feldern und bei den Herden. Und also empfanden die Araber sie als Feinde zu Unrecht? Ja. Warum? Sind das Menschen, denen der schaffende Jude ein Greuel ist? Nein. Und dennoch Kugeln? Warum? Hier ist eine Frage, wert, daß man ihr sehr ernst zwischen die Augen schaue. Das Buch antwortet nicht auf dies Warum. Seien auch wir also stumm, geben wir es als eine strenge und stete Aufgabe weiter, dies Warum. Es wird jedem von uns mit seinen Folgerungen zu schaffen machen. Gibt uns so ihr Tod eine Frage auf, so ihr Leben mehrere, nicht minder schwere. Eine von ihnen sei hier gestellt; gestellt und nicht beantwortet, eine, vielleicht zwei; und nicht beantwortet, weil der Zionist ein sehr gewandter Antworter geworden ist, dem die Propaganda eine wundervolle Eleganz im Antworten eingeübt hat (Eleganz, das Ideal der Schneider und Schuster, mit Einstein zu reden), so daß jede Frage zum Schweigen gebracht wird, noch ehe sie als Frage, in der ganzen Fülle und Schwere ihres Wesens, zum Bewußtsein sprechen konnte. Diese jungen Menschen lebten in „genossenschaftlichen Siedelungen". Ein prachtvoll erfundenes Wort, um die Tatsache des Kommunismus, die Tatsache des gelebten Kommunismus vor dem bürgerlichen Zionisten zu verstecken. Diese Jünglinge und ihre Gefährtinnen lehnten den Einzelbesitz ab; sie lebten in gemeinschaftlichem Eigentum; sie starben für etwas anderes als Eigentum. Begreift man? Hört man wenigstens her? Hier ist eine andere Ordnung als die bürgerliche aufgestellt und besiegelt worden; diese jungen Juden, Pioniere des Zionismus, wie der Zionist stolz erklärt, bekämpfen den Individualbesitz ... Ist dies nicht eine Frage in ihrer Fülle? Und gleich folgte eine zweite: sie gaben nichts auf die Torah und den Talmud; sie lehnten auch diese Schöpfungen des großen Judentums ab, entweder von vornherein oder allmählich vom Leben überwältigt: ist dies nicht auch eine Frage, an alte und neue Strenggläubigkeit und ihre Herolde gerichtet? Und dies sind die neuen Juden? Dies ist die neue repräsentative Jugend des jüdischen Volkes? Sie ist es, dies ist zum mindesten für einige von uns keine Frage mehr. Sie, und nicht der liebenswürdige Blau-Weiß. Sie, und nicht die Turner. Sie, und keineswegs jene jungen Herren, die mit bunten Mützchen und harmlosen Schlägern die deutsche „Jugendbewegung" in ihrer vermodertesten, falsch-romantischesten Form ergötzlich kopieren, und die, indem sie mit hebräischen Bröckchen und historischen oder grammatischen Lektionen aufwarten, in aller Unschuld auf feierlichen Biergelagen mit geschwellter Hemdbrust die zarte, erlesene, zur Führerschaft bestimmte Oberhaut der jüdischen Jugend zu sein sich anmaßen. Während der führende, geistig und körperlich strenge und junge Teil der deutschen Jugend sich längst um neue Gemeinschaftsformen bemüht und sie fand, tobt die Jugend der jüdischen Bourgeoisie sich aus und tut sich zusammen in „Verbindungen" ...? Wir andern aber, Kameraden, heute gebunden und verstrickt, lebend oder dem Tode benachbart, im Felde des europäischen Selbstmords oder an seine Peripherie geschleudert, in einem Zentrum jüdischen Lebens oder ganz vereinzelt — wir anderen, Kameraden, blicken auf Jene mit Sehnsucht und Ehrfurcht. Die große Verwandlung hat begonnen; das Gewissen schlägt die Augen auf; Judentum wird immer tiefer verschenkte Menschlichkeit, das Nationale eine Form der menschlichen Hingabe und des Lebens. Bereiten wir uns in unsrer Seele! Laßt die Läuterung anheben und gedenket! „Jiskor elohim nischmat.. Kameraden! Chawerim! Wilna Arnold Zweig Berichtigung In Heft 4 ist S. 167, Z. 3 von unten statt „Versuchung" zu lesen: „Verzückung"; S. 168, Z. 14 statt „Ajser": „Ojser", Z. 25 statt „Die Sache": „Di Soche (= der Pflug"); S. I93> 1. Spalte, Z. 20 statt „gerufen": „berufen"; S. 196,1. Spalte, Z. 4 von unten statt „Jahrzehnten": „Jahrtausenden". In Heft 3 ist S. 141, Z. 4 von unten statt „Fasten" zu lesen: „Beschwerden". Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Max Mayer, Berlin W 15, Düsseldorfer Straße 23. — Für Österreich-Ungarn: Dr. M. Pt ig er, Wien 1, RotentuimsitraBe 22. — Verlag von R. Löwit, Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig.

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