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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5 · p. 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 5
Article
Vom lebendigen Hebräisch
Date
1918-01-01
Page
239 (sequence 12)
Language
German
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Abraham Sonne: Ein Wort über Mendele 239 artigen Stilfarbe, reich an Möglichkeiten, schwierig zum Handhaben, nur für Meister der Sprache. Meister der Sprache waren auch Zeew Jawetz und David Jellin, die ihm folgten. Einen eigentlich wissenschaftlichen Stil schuf Achad Haam von höchster Kulturhaftigkeit, ernst und getragen, aus sämtlichen Komponenten hebräischen Stils harmonisch erwachsen. Auf den geltenden Gemeinstil wirkte am meisten der Übergangsstil einer Schriftstellergruppe, welche aus der Meliza heraus und ohne scharfe Trennung in die neue Richtung hineinwuchs: Katzenelensohn, Kantor, Ben Hillel Hakohen und als der bedeutendsten einer David Frischmann. Aus diesen Übergangsstilen, aber unter besonderem Einfluß Achad Haams erwuchs die einstige Stilschönheit Brainins und der natürliche fließende redehafte Stil Bernfelds. Eine eigentümliche Aufgabe stellte sich Mendele Mocher Sfarim, indem er den Geist der jiddischen Volkstümlichkeit in das Hebräische übertrug, indem er aus dem talmudischen Mischidiom Sprachmittel holte und so den Charakter der Mischsprache in ihrer Bildsamkeit und Witzigkeit nachempfinden ließ. All diese Versuche in Prosa ließen vorerst den Stil der gebundenen Rede unberührt, hier blieb der beschränkte Meliza-Stil herrschend. Bialik war es, welcher der Poesie einen zeitgemäßen Stil gab, einen ganzen großen Wortschatz wieder freigab und in dieser Neuheit eine Klassizität, Gehaltenheit und eine zur Einheitlichkeit gediehene Verschmelzung der verschiedenen Sprachelemente erreichte, wie nie vor ihm. Er war der Schöpfer des poetischen Gemeinstils*). Das erwachte nationale Gefühl wollte aber die volle Verlebendigung der hebräischen Sprache als Umgangssprache. Mit der nationalen Bewegung und mit der Spracherneuerung setzten auch diese Bestrebungen ein. Dahingehende Versuche in Ost- und Westeuropa in „Safa-B'rura-Zirkeln" und hernach in „Ibriah-Vereinen" können wir füglich übergehen. Es lief doch alles nur darauf hinaus, für einige literarische Gebildete hebräische Feiertagsstunden zu schaffen. Ist auch das Erreichte nicht gering zu achten: die Methode „Ibrit beibrit" wurde eingeführt, die Mädchen wurden dem Hebräischen gewonnen, so ist doch diese Bewegung zu eigentlicher Bedeutung erst in Palästina gelangt. Hier ward das Hebräische zur wirklichen Umgangssprache. z. Z. Berlin E. M. Lipschütz (Jerusalem) EIN WORT ÜBER MENDELE Mit dem langen Tag seines Lebens neigt sich eine Welt, die keiner so wußte wie er, weil er sie erstmalig und unermüdlich ansah, und da sie ihm erfüllt sich darbot im Sinn und Widersinn, ganz geworden und fällig, und er alles hatte: das Schauen, die Besinnung und die Kraft, konnte er mit seiner Hände Meisterschaft ihr Gefüge umfassen und sie aufheben, so sehr bestimmt, so ganz zum Sehen, bevor der Wind kam, der abträgt. Die Menschen „dieser Zeit" aber denken ihn aus „seiner Zeit" und erklären ihn aus seiner Welt und ihren Lebensgängen, die allen so geläufig sein wollen und der Erinnerung voll, reden von ihr in der Stimme des Überwinders die übertönt oder wie Emigranten vom heimatlichen Einst. Und die aus dem Eindruck *) Siehe mein „Ch. N. Bialiks Stil" in dem Sammelwerk „Be-schaah su" III, Jaffa 1917.

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