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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5 · p. 228

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 5
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1918-01-01
Page
228 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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228 E. M. Lipschütz: tern, jeder besonders pflichtgemäß, ihren Verhältnissen und der Mitgift entsprechend die traditionellen Gaben das „sog. „Rcchttsch" (Die Anfangsbuchstaben von ,,Rabbi"[ner], „Chasan" [Kantor der Synagoge], „Schamas" [Synagogendiener]) an Rabbiner, Synagogenkantor und Synagogendiener. Bis Schluß der sieben Festtage werden Braut und Bräutigam nicht einzeln allein gelassen (Traktat Berachot 54/2) sondern stets von jemand aus dem nächsten Kreise begleitet. Im Volke herrscht der Glaube, böse Geister seien auf das Glück des jungen Ehepaares neidisch und könnten ihnen in den ersten sieben Tagen Übles antun, falls eines von ihnen allein und unbewacht bleiben sollte. Der nächste Sabbat nach dem Trauungstage heißt der „Schabbes Morgen". Bei den Eltern, bei denen das junge Paar bleibt, ist am Vormittag großer Empfang. Gleich nach dem Morgengottesdienst versammeln sich Verwandte, Bekannte und Freunde, um den Eltern und dem jungen Ehepaare Maseltow zu entbieten. Sie werden mit Trank und ,,Lekach" bewirtet und entfernen sich nach wenigen Minuten, da jeder nach Hause zum Sabbattisch eilt. Bei Chassidim fehlt es natürlich auch jetzt nicht an Tikkun, Schalesch Seudot und Melaweh Malkeh für die ganze Betgemeinde. Mit dem Abschluß des siebenten Festtages ist endlich Jubel und Rausch zu Ende, das Ehepaar legt die neuen für die Wochentage bestimmten Kleider an, und der Alltag beginnt wieder. Baden bei Wien Samuel Rappaport VOM LEBENDIGEN HEBRÄISCH Ein sprachgeschichtlicher Versuch*) Dem Andenken Dr. Abraham Robinsohns gewidmet. I. Ein großes frohes Erlebnis ist wohl die Wiedergeburt der hebräischen Sprache für alle, die ihre aufblühende Wirklichkeit in aller Fülle erfahren. Aber nicht viele wissen um sie und ihr Geschehen und wenige nur haben eine klare Vorstellung davon, was die Wiedergeburt dieser Sprache bedeutet, was hier erstrebt wird und was geschaffen wurde. Das Allgemeine ist leicht gesagt: die hebräische Sprache soll von einer toten *) Über einige der Fragen, die in diesem Artikel behandelt sind, habe ich im Sommer 1914 zwei Artikel geschrieben „L'scheelot halaschon" für „Haschiloach", „Hasignon" für „Netibot", die beide während der Kriegszeit in Rußland erschienen oder nicht erschienen sein mögen, ohne daß ich davon unterrichtet bin. Zu diesem Thema habe ich ein umfangreiche» Material gesammelt, auf dem die von mir vorgetragenen Ansichten beruhen, das mir aber hier nicht zur Hand ist. Ich folge in allgemein sprachgeschichtlicher Hinsicht den Systemen von H. Steinthal und Hermann Paul (Prinzipien der Sprachgeschichte). Die vorgetragenen Tatsachen ließen sich aber auch in dem gegensätzlichen Wundtschen System fassen, ohne an sich dadurch berührt zu werden, freilich wäre auch der Unterschied zwischen einer lebendigen und einer toten Sprache und demgemäß die Verlebendigung einer toten Sprache gerade vom Standpunkt Wundts aus schwerer zu behandeln.

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