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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5 · p. 218

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 5
Article
Altes und junges Judentum
Date
1918-01-01
Page
218 (sequence 8)
Language
German
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2l8 Arthur Joel: Altes und junges Judentum spricht und eine neue Regierungserklärung ankündigt; und des Dankes und Jubelgeschreis ist kein Ende, wenn die „Nützlichkeit" einer jüdischen Kolonisation Palästinas nachdrücklich anerkannt ist. „Lo alechem, kol owre derech" — so sollte man den Völkern lieber zurufen, statt uns und aller Welt von neuem das demütigende Schauspiel der „Knechtschaft inmitten der Freiheit" zu bieten, jener Knechtschaft, die um so erniedrigender ist, je weniger sie ins Bewußtsein der Menge eindringt. Vielleicht darf man daran erinnern, was der Meister im „Kusari" über Zion und Freiheit meint: „Ich verlange die Freiheit von der Herrschaft der Vielen, deren Wohlgefallen ich, wenn ich es auch suche, nicht erreichen kann, selbst wenn ich mich mein ganzes Leben bemühte, und das mir, wenn ich es erreicht hätte, von keinerlei Nutzen wäre; ich meine damit die durch Menschen ausgeübte Herrschaft und die Sucht nach ihrem Wohlwollen. Ich suche die Herrschaft eines Andern, dessen Wohlwollen mit wenig Mühe erreicht wird und in dieser und in jener Welt von Nutzen ist: das ist das Wohlwollen Gottes, dem zu dienen die wahre Freiheit ist, und die Erniedrigung vor ihm ist in Wahrheit die Ehre." (Kusari, V, Abs. 25) 9. So laufen bei uns zulande altes und neues Judentum nebeneinander her; jedes glaubt, sein eigenes Feld zu bebauen, und im Grunde bebauen sie doch das gleiche. Trotz allem! — dann laßt uns doch nicht auf das Gefäß achten, sondern auf das, was darin ist! Aber ist auch das Wollen gleich, so sind die Individuen doch verschieden: das alte Judentum ist im Besitze und wähnt sich im Recht; und doch ist es nur im Recht mit seinen Erziehungsmethoden; sein Ziel hat sich verschoben» Es will die Fortsetzung nicht erkennen, die sich aus seinem historischen Werden notwendig für die Zukunft ergibt; es hat sich die Krone vom Haupte fallen lassen. Das junge Judentum hat den Stein, den jene wegwarfen, zum Grundpfeiler seines Hauses gemacht; es hat sich das Ziel klar vor Augen gestellt, aber es sucht noch den Weg, heranzukommen. Ist im alten Ruhe und Stetigkeit, so im jungen Spannung und Bewegung; es ist vielleicht selber das ungestüm pochende „wache Herz" der schlafenden Sulamit. Es hat keine paradiesischen Gärten, in denen die Gerechten ruhig und gelassen mit festlich geschmücktem Haupte sitzen und des Glanzes der Schechinah genießen; oder vielmehr: es sieht diese Gärten erst in weiter Ferne vor sich. Es hat nur einen Weg, der, obwohl schnurgerade, doch so unendlich mühselig zu gehen ist, weil er steil emporsteigt, und den man so leicht und schnell hinter sich glaubt, weil das Auge das Ziel längst erfaßt hat, wenn die Beine noch kaum in Bewegung gesetzt sind. So, wie altes und junges Judentum bei uns jetzt sind, sind beide nur Bruchstücke eines Ganzen. Sie können viel voneinander lernen, denn das eine enthält das Komplement des andern. Das alte wird auf die Dauer die Schwungkraft des jungen nicht entbehren können, wenn es sich vor Mumifizierung retten will, und das junge kann auf seinem Wege der inneren Straffheit und der historischen Würde des alten nicht entraten, wenn es nicht als ein fundamentloses „jesch meajin" dastehen will. Wollen sie aber, statt sich friedlich zu verstehen, miteinander kämpfen, so mögen sie ringen die ganze Nacht hindurch bis zum Anbruch der Morgenröte, und dann sollen sie noch zueinander sprechen: „Ich lasse dich nicht — es sei denn, daß du mich segnest!" Im Felde Arthur Joel

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