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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5 · p. 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 5
Article
Zum Problem des wirtschaftlichen Antriebs
Date
1918-01-01
Page
211 (sequence 10)
Language
German
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Arthur Joel: Altes und junges Judentum 211 ihn bloß erwarten, wenn wir nicht in aller Verzweiflung über die Ohnmacht unseres kleinen Wollens, mit diesem unseren kleinen Wollen ihn herbeizurufen versuchen, wenn wir nicht unermüdlich laden. — Und das tut auch — hoffend auf ihre Macht und verzweifelnd ob ihrer Ohnmacht — die willenslogische Predigt in Wort und Schrift. Prag Felix Weltsch ALTES UND JUNGES JUDENTUM (Gedanken über die Erziehung zum jüdischen Leben) 1. Die Erkenntnis, daß Nation und Menschheit nicht etwa zwei aufeinander und auf das Einzelindividuum folgende Entwicklungsstufen sind, eine der andern an Wert übergeordnet, sondern vielmehr zwei Seiten, die besondere, konkrete und die allgemeine, abstrakte eines Begriffs darstellen*) — diese Erkenntnis ist noch nicht allzu tief in die Köpfe der Menge eingedrungen, und ganz gewiß nicht in die der jüdischen Menge. Dieses letztere ist nicht weiter erstaunlich. Bei andern Völkern mag der Einzelne tun und lassen, was er will — er kommt doch nie aus dem nationalen Rahmen heraus, der durch Sprache, Sitte usw., kurz: durch das nationale Milieu um ihn herum ausgespannt ist; während bei uns, teils künstlich auf dem Wege der Dialektik, teils durch die abnormen Umstände unseres Galuthdaseins unter fremden Völkern, zwischen „Nation" und „Menschheit", zwischen „Jude sein" und „Mensch sein" ein Gegensatz hervorgerufen worden ist, der wohl keinen von uns unberührt gelassen hat, und den auch schon unsere Weisen empfanden, als sie den oft mißverstandenen und mißbrauchten Ausspruch von sich gaben: „Sei ein Mensch, wenn du hinausgehst, und sei Jude in deinem Zelte." Daher die Unsicherheit unserer jüdischen Erziehungsmethoden, die das eine erreichen und das andere nicht lassen wollen; daher aber auch jetzt, wo diese ganze Schwierigkeit als nur scheinbar aufgedeckt ist, die konsequente Forderung gerade des „nationalen" Judentums, das in der Erziehung des jungen Geschlechts zur Fortführung der Arbeit des voraufgehenden seine wichtigste Aufgabe erblickt, nicht durch Predigten von den „Vorzügen" des Judentums einen billigen Chauvinismus heranzuzüchten, sondern vielmehr als Ziel der Erziehung aufzustellen: „vollkommene Menschen zu erziehen, denen die Selbsterkenntnis als Menschen wie als Juden zu einem umfassenden, unteilbaren Ziel wird, so daß in der Seele des Juden kein Platz bleibt für jenen schmerzlichen Zwiespalt zwischen jüdischen Dingen und den übrigen Zweigen des Lebens" — oder auch: „die allgemein-menschlichen Güter in nationaler Form"**) zu erwerben — oder noch kürzer: Judentum soll bedeuten „das volle Menschsein seines Trägers"***). 2. Um diesen idealen Endzustand — die Identifikation von Judesein und Menschsein — bemühen sich heute unter all den Strömungen, die sich als „Judentum" *) Achad Haam, AI Paraschat Derachim I. 87 f. **) a. a. 0. IV. Seite 137 u. 133. ***) R. Salman, „Der Jude" 1918, Heft 12.

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