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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5 · p. 202

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 5
Article
Chronik
Date
1918-01-01
Page
202 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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202 Felix Weltsch: es wartet auf den Beginn einer aufrichtigen und verständnisvollen Palästinapolitik seitens der türkischen Regierung; es wartet darauf, daß die Zentralmächte die Bedeutung des Judentums und die Bedeutung der Judenfrage wahrhaft und innerlich erkennen und erfassen. Aber nichts ist bekanntlich gerade in einem Kriege schwieriger als die Haltung des Wartens, keine Tugend in solch unerhört gespannten und erregten Zeiten seltener und schwerer als die Geduld, und es ist darum hohe, es ist höchste Zeit, daß man dies in den maßgebenden politischen Kreisen der Zentralmächte begreift und danach handelt. Andernfalls — nun, such andernfalls wird die innere Neutralität des jüdischen Volkes gewahrt bleiben, weil sie ein inneres Postulat unserer Geschichte bleibt. Wahrhaft mit seiner Seele Partei nehmen wird das jüdische Volk im Kriege nicht; schon darum nicht, weil es das ganze System der heutigen Politik haßt und ablehnt, weil es nicht von der Politik des Tages seine Befreiung erwartet, weil es seine Hoffnung setzt auf die innere Wandlung der europäischen Völker und der europäischen Politik, auf den Sieg der Gerechtigkeit und Menschlichkeit auch im Völkerleben. Aber wir sagten schon: unsagbar schwer ist es für den einzelnen Juden, seine persönliche, faktische Haltung im Kriege ganz adäquat der inneren Forderung der jüdischen Neutralität zu gestalten. Sehr viel schwerer gemacht wird ihm dies durch die gekennzeichnete Politik der Zentralmächte in den jüdischen Fragen, und es kann nicht genug wiederholt werden: nichts wird der einzelne Jude, nichts wird das ganze jüdische Volk den Zentral mächten heftiger vorwerfen, als wenn sie es durch eine Unterschätzung der Bedeutung des Judentums, durch eine falsche und kleinherzige Politik zwingen würden, in seinen Sympathien und Wünschen unneutral zu werden. Das jüdische Volk will nichts sehnlicher, als bis zu Ende des Krieges dem Postulat seiner gesamten Geschichte gemäß wahrhaft neutral bleiben zu können. Es will beiden Parteien in gleicher Haltung gegenüberstehen, und muß deshalb von beiden Parteien verlangen, daß sie auch ihm gegenüber die gleiche Haltung einnehmen. Es ist eine Tatsache, daß sich das Gleichgewicht der jüdischen Neutralität in letzter Zeit etwas zugunsten der Entente zu verschieben begonnen hat, weil die Stellungnahme der Entente zur jüdischen Frage intensiver, ernsthafter ist als die der Zentralmächte. Es ist nun an ihnen, durch eine richtige Stellungnahme ihrerseits dieses Gleichgewicht wieder herzustellen und die innere jüdische Neutralität wieder in ihre seelische Balance zu bringen. Amitai ZUM PROBLEM DES WIRTSCHAFTLICHEN as Grundproblem aller sozialen Neuordnung ist die Frage des Antriebs. X-S Heute erhält sich die große Wirtschaftsmaschine in Betrieb, weil hinter jeder Radspeiche der egoistisch-materialistische Eigennutz mit angespannten Kräften stößt. Wer an die Menschheit glaubt, weiß, daß die Despotie dieses Antriebs gebrochen werden muß. ANTRIEBS

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