Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 147 (sequence 1)
- Language
- German
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DIE BEDEUTUNG DER ARABERFRAGE FÜR DEN ZIONISMUS Die Zukunft Palästinas in staatsrechtlicher Hinsicht ist zurzeit durchaus in der Schwebe. Die Waffen haben zu entscheiden, wo während des Krieges die Grenze zwischen englischer und türkischer Herrschaft verläuft. Der Friedenskongreß wird endgültig über das politische Schicksal des Heiligen Landes zu bestimmen haben. Für die Verwirklichungsmöglichkeit des Zionismus ist diese Entscheidung von großer Wichtigkeit, denn seine Politik wird sich den gegebenen Verhältnissen unter allen Umständen anpassen müssen; jedoch müssen wir vor einer Überschätzung dieser Tatbestände dringend warnen. Zur Zeit Herzls glaubte man noch in zionistischen Kreisen, daß ein Charter, d. h. eine Genehmigung des Sultans zu uneingeschränkter jüdischer Kolonisation eine Verwirklichung des Zionismus garantiere. Heute, da der nationale Gedanke die ganze Judenheit erfaßt, da die Entente wie die Mittelmächte die politische Bedeutsamkeit des Zionismus erkannt haben, da Balfour wie Wilson sich für ihn einsetzen, Talaat Pascha wie Czernin und Kühlmann ihn zu begünstigen gedenken, ist die Gefahr um so größer, daß man damit die Aufgabe für gelöst erachtet, während doch erst ihre Voraussetzungen geschaffen sind. Von den wesentlichsten, von den geistigen Aufgaben soll hier nicht gehandelt werden. Berufenere werden von den Gefahren zu sprechen haben, die ein amerikanischer — im geistigen, nicht im geographischen Sinne — Zionismus für die zionistische Idee bedeutet. Hier sollen nur all die Probleme aufgerollt werden, die dadurch entstehen, daß für die Juden Palästina kein unbewohntes Land ist, sondern daß noch heute die überwältigende Majorität des Landes die Araber bilden. Unserer Ansicht nach sind diese Probleme von entscheidender Bedeutung für das ganze jüdische Kolonisationswerk, und wir glauben, gerade in der jetzigen Zeit diese Fragen behandeln zu sollen, da sie unabhängig von der jeweiligen politischen Lage des Landes ihre Gültigkeit behalten. i. Das zahlenmäßige Verhältnis der beiden Völker und die Einwanderung der Juden habe ich an anderer Stelle (im i. Heft des „Jüdischen Willens") behandelt. Nur dies sei hier erwähnt, daß die Juden von Jahr zu Jahr einen größeren Prozentsatz der Bevölkerung ausmachen, da die Zahl der Araber konstant bleibt, während die Juden sowohl durch natürlichen Zuwachs, als durch Einwanderung ihre Zahl ständig vergrößern konnten, so daß sich das Verhältnis der produktiven zu den unproduktiven Schichten unter den Juden immer mehr zu gunsten der ersteren gewandelt hat; auch der Weltkrieg wirkt in dieser Hinsicht. Von den Arabern wohnt die Hälfte auf dem Lande, die Hälfte in Städten — die auch den größten Teil der christlichen Araber beherbergten. Die Juden sind Ws auf io—12000 Kolonisten in den Städten konzentriert. Wir dürfen das Wort Stadt allerdings nicht im heutigen Sinne gebrauchen, eher im mittelalterlichen. Unsere heutigen Städte sind durchaus auf die Erzeugung landwirtschaftlicher Heft 4. II