Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Schaffensentscheidungen im Judentum
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 146 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3101111-3101137-3101141-3103332--2447-3103392- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
146 Bemerkungen anderen nicht. In diesem Sinne kennt die Geschichte des jüdischen Geistes sicher nur eine klassische Periode, und wenn wir an eine Zusammenfassung der jüdischen Individualitäten zu eigener Lebenswelt mit neuer geistigen Lebensform denken, so kann nur ein neues Zion werden. Zion ist uns Werkbewußtsein, größtes geistiges Mühen, das zu vollbringen, was in einer bloß romantischen Lebens weit, in der die jüdischen Individualitäten verstreut sind auf verschiedenem Naturboden des Geistes, nie ein Werk, eine neue Lebensform werden kann. Aus dem Gefühl unseres Menschenreichtums entspringt die Sehnsucht nach einem Werk der geistigen Lebenszusammenfassung, das unentstanden bliebe ohne unseren Willen. Wenn auch die ganze Geisteswelt sich ins Unendliche weiterverzweigen darf durch die Individualitäten, die dem Judentum entwachsen, so wird dadurch doch nicht das, woran wir glauben, daß wir es vollbringen können, eine neue Naturform der geistigen Lebenswelt. So frei das Judentum seine Menschenwelt in alle Kulturkreise hineinstrahlt, so gewiß muß unsere Überzeugung werden, daß wir mit all dem, was das Judentum der Welt hingibt, auch noch das neue Zion zu bauen vermögen. Daß wir den Lebensgeist unseres Individualitätenkreises neu formen können durch unsern Werkwillen, während gleichzeitig die geistigen Geschicke der Welt sich mit ebendenselben jüdischen Individualitäten erneuern können. Was wir wollen, ist, mit unserer Menschen- Welt noch ein Werk vollbringen, das in der natürlichen Richtlinie der geistigen Menschheitsentwicklung noch möglich und geboten ist. Das ungeschaffen bleibt, wenn wir's nicht vollbringen. Dieses neue Zion aber löst die Schaffensentscheidung, die fürs ganze Judentum entstand, dadurch, daß seine Individualitäten in die Welt ausgesendet sind und von ihm nicht eingezogen werden können, ohne seinen Lebensbestand zu verkümmern. Denn in der jüdischen neuen Lebensform soll eine völlige Zusammenfassung unserer Individualitäten so erstehen, daß alle jüdische Welt in Zion lebt, wohin immer sich auch die Persönlichkeit aussenden ließ. Und dieses Werkbewußtsein, daß der jüdische Wille an einer solchen Zusammenfassung bauen will, gibt uns auch das Mitschaffen der jüdischen Persönlichkeit. Wo immer die jüdische Individualität sich der Welt, dem Leben verbindet, in Zion wird daran gebaut, dieses zur neuen Seinsform zu gestalten. Solches Bewußtsein vom Judentum und von unserem Werk liegt der Gesamtheit noch in einiger Ferne, aber das Judentum wird reif werden, das Leben nicht mehr wählen zu müssen, sondern es einfach freudig zu leben und an seinem Zion zu bauen. Dann entscheidet das Schaffen der Juden, somit des Judentums, nur mehr für die Lebensgröße Zions, dafür, wie's aussehen wird in unserer Lebenswelt, die Schaffensentscheidungen im Judentum sind gefallen. Es gibt nur mehr Kämpfer fürs Judentum, nicht mehr Menschen, die sich's erringen müssen. Rudolf Glanz Berichtigung In Heft 2 ist auf S. 55, Z. 7 zu lesen: „bewahren wir uns", auf S. 97, 1. Spalte, Z. 6: „Drohiczyn", Z. 1 v. u.: „433"> a^f S. 98, 2. Spalte, Z. 6: „schreibunkundig". Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Max Mayer, Berlin W 15, Düsseldorfer Straße 23. — Für Österreich - Ungarn: Dr, M. Präger, Wien I, Rotenturmstraße 22. — Verlag von R. Ldwit, Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig!