Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jakob Gordin und das jüdische Theater
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 139 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Arno Nadel: Di jontewdige Tag erschauten Mikrokosmos umgeschmolzen, oder ob er in stümperhaftem Epigonentum Einzelzüge zusammengetragen habe, die weit davon entfernt sind, ein einigermaßen leidliches Ganze zu bilden. Aus welchen Quellen der Tagesschriftsteller der Bühne schöpft, kann uns gleichgültig sein, wenn es ihm nur gelingt, uns drei Stunden lang in Spannung zu halten. Bei den Erzeugnissen der theatralischen Muse darf man nach ihrer legitimen Herkunft nicht fragen. Man würde sonst erschrecken, auf welch bunte Ahnenreihe die europäischen Theaterstücke zurückblicken, um auf ihren gemeinsamen Urahn, Publius Terentius und manchmal sogar auf den noch älteren Menander der zweiten attischen Komödie hinzuweisen. Würde Gordin die von ihm bearbeiteten Stücke in ihrer ursprünglichen Fassung auf die Bühne gebracht haben, so hätte er auf ein lebhaftes Interesse seines Publikums nicht rechnen können. Das Schicksal der Rose Bernd — auf dem Theater wie im Leben — würde den ostjüdischen Zuschauer nicht im geringsten berühren, während dasselbe Mißgeschick, einem jüdischen Mädchen zugestoßen, seiner leidenschaftlichen Teilnahme sicher sein kann. Hier würde er spüren: tua res agitur. Dadurch unterscheidet sich der jüdische Zuschauer durchaus nicht vom nichtjüdischen. Seit das Theater besteht, mußten die einem fremden Anschauungskreise entnommenen Stoffe für das jeweilige Publikum mundgerecht zubereitet werden. Zwei Kronzeugen von hohem Rang in der Welt des Scheines sollen es bestätigen. In seiner knorrigen Art sagt der junge Laube: „Was das Ausland Gutes liefert, soll benutzt, aber in unserem Stile benutzt, es soll soviel als möglich deutsch, also wenigstens bearbeitet werden". (Briefe S. 35.) Und Otto Brahm meint: „ . .. Niemals wird uns der Dichter tiefer ins Herz treffen, als wenn wir uns selbst in seinem Werke wiederfinden, unsere Gedanken, unser Empfinden, Bein von unserem Bein und Fleisch von unserem Fleisch." Nach den Siegen der 70 er Jahre schöpfte das deutsche Theaterstück der Lindau, Lubliner, L'Arronge mit vollen Händen aus dem Pariser Sittenstück, verarbeitete es für deutsche Verhältnisse und stattete den Franzosen einen Teil der Kriegsentschädigung in Form von Tantiemen zurück. z. Zt. Warschau (Schluß folgt) Michael Weichert DI JONTEWDIGE TAG Moderato Bearbeitet von Arno Nadel. SESEEEEEEEEtEEE Di jon-tew-di - ge Täg tijnsich be - wei - sen, werd Ö BB m « » r sf P m %EE=ffff& 3t±