Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hochzeiten in Jerusalem
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 127 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Eugen Hoeflich: Hochzeiten in Jerusalem 127 HOCHZEITEN IN JERUSALEM Es handle sich um die Hochzeit des achtzehnjährigen Mosche ben Chamdi, des Sohnes des Chacham Chamdi, sagte mir der Onkel des Bräutigams, der mich zur Feier lud. Ich sagte gerne zu und ging zur bestimmten Stunde ins Jemenitenquartier, das bei Sichron Mosche liegt. Es ist sonst ein halsbrecherischer Weg, der dorthin führt, Rosch Chodesch aber war eben vorbei, und eine der wunderbaren Silbernächte Palästinas war, so daß ich ohne Unfälle hinkam, und als ich vor einem Hause eine Menge flüsternder Jemeniten und Aschkenasim sah, wußte ich mich am Ziele. In einem völlig leeren Zimmer liefen an drei Seiten der Wand niedere Divane, auf denen etwa fünfzehn uralte Chachamim saßen, als solche erkenntlich durch das schwarze Festuch, die sich bei meinem Eintritte halb erhoben, mit der Hand an die Stirne griffen und mir schalöm ubrachä wünschten. Der Vater des Bräutigams aber kam mir entgegen und führte mich zu jedem der Alten, jedem Einzelnen mitteilend, daß ich Mosche Jaäkäw ben Gabriel der Levite sei, was die Ursache einer neuen Begrüßung war. Man schien nur auf meine Ankunft gewartet zu haben, denn es begannen nun sofort die Feierlichkeiten. Eine ungeheure Nargileh wurde hereingebracht, in der Mitte des Zimmers auf den Boden gestellt und der Schlauch dem am linken Flügel sitzenden Chacham, einem Blinden, in die Hand gedrückt, der ihn nach einem tiefen Zuge weitergab. So wanderte der Schlauch, dessen Mundstück ein mächtiges Bernsteinstück war, von Mund zu Mund durch die Reihe der Chachamim. Kein Wort wurde gesprochen, selbst die Menge, die sich in der Tür staute, war andächtig ruhig, bis der letzte der Raucher das Schlauchende vor sich hingelegt hatte. Die Pause, die nun folgte, gab mir Gelegenheit, mich mit den Festgästen zu unterhalten. Es waren fast durchweg Jemeniten, ausgenommen ein Arzt des Hygienischen Instituts mit seiner Familie und zwei jüdische österreichische Offiziere. Es war eine schwierige Unterhaltung, denn meine hebräischen Kenntnisse waren damals noch sehr gering, aber der Arzt war Turgeman und durch ihn erfuhr ich, daß der älteste der Chachamim beim Wiener zweiten Kongreß die Jemeniten vertreten hatte. Ich beobachtete sie, diese Juden aus Südarabien, und staunte über ihre natürlichen graziösen Bewegungen, die, einfach, dennoch aber feierlich, etwas unbewußt Bewußtes hatten. Neben dem Chacham, der in Europa gewesen war, saß der Bräutigam: jung, verhalten und schüchtern, ungewohnt dieses Geehrtwerdens im Kreise der Alten. Er trug eine seidene Abbaje, reich gestickt, auf dem Kopfe ein Tuch, das kein Nahäl hielt, sondern lose auf dem Kopfe lag, in dessen Haare einige Blumen waren. — Viele Blumen waren in dem Zimmer, oder besser: Blumenblätter, die, keineswegs als Dekoration, in ihrer raffinierten orientalischen Zusammenstellung den natürlichen Schweißgeruch der Menschenansammlung übertönten, ja sogar den spezifischen scharfen Jemenitengeruch, der herrührt von einer Art Parfüm (ätr), überdeckten: Tuberosen, Jasmin, Sochefä, Sattär, Dufäch el madjarlm und das Kraut einer mir unbekannten scharf riechenden, sicherlich Menthol enthaltenden Pflanze. Mit einigen Verbeugungen trat nun der Vater des Bräutigams in den Kreis und legte in die Mitte des Zimmers große geflochtene Strohteller, auf denen Berge von Mandeln, Bananen, Feigen und Weintrauben waren. Jeder der Gäste zog sein Sacktuch hervor, breitete es vor sich auf dem Boden aus, der Hausherr griff in