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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 3 · p. 106

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 3
Article
Zion und die Jugend
Date
1918-01-01
Page
106 (sequence 8)
Language
German
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io6 Ernst Müller: aus diesem Feld von Totengebein eine lebende, ja eine das wahrhafte Leben lebende Menschengemeinschaft wird. Verlasset euch auch nicht auf Palästina! An euch, an der Jugend wird es liegen, ob aus Palästina die Mitte der Menschheit oder ein jüdisches Albanien wird, das Heil der Völker oder ein Spiel der Mächte. Zion wird in der Welt nicht erstehen, wenn ihr es in der Seele nicht bereitet. Martin Buber SOZIALE MOTIVE UND AUSBLICKE UNSERER PALÄSTINAKOLONISATION In unseren vom Wirbelsturm der Ereignisse durchrüttelten Tagen verstehen wir erst, wie schwer es ist, ja wie ganz andersartig als etwa für das individuelle Leben, auch für universelle, weitwirkende, historische Tatsachen die wahren Motive zu finden und in ihrer Eigenart zu kennzeichnen. Denn in der Wirklichkeit des Historischen kommt oft eine einzige Zielrichtung durch mannigfache, sich kreuzende oder selbst einander widerstreitende Gesinnungsrichtungen zustande, wie ja auch umgekehrt die gleiche Idee ganz verschiedenartige, oft einander direkt feindselige Strömungen aus sich gebiert. Auch .für unsere Palästinabewegung, so einheitlich im ganzen und großen ihr Kurs sich darstellt, erscheint das Gebiet der Motive, die sich in ihr zusammenfanden, nicht so einheitlicher Art Eine Gruppe von ihnen sei hier herausgehoben, die mehr der Verständigung als der Absicht strenger Definition zuliebe als „soziale" bezeichnet seien — Motive der Art menschlichen Gemeinschaftslebens innerhalb des jüdischen Volkstums und als solche gegenübergehalten jenen verborgeneren und komplizierteren, die als rein geistige und als rein persönliche Motive jenen in gewissem Sinne über- oder untergeordnet sind. Als die gröbsten und augenfälligsten Faktoren des sozialen Lebens erscheinen jene, welche nach der Bezeichnung unseres materialistischen Zeitalters die „soziale Frage" ausmachen, die „Lage" einer Menschengruppe charakterisieren. Letztere kann unter Umständen* durch ein ganzes Volk gebildet werden. So war auch innerhalb des politischen Zionismus, namentlich der ersten Jahre, die „Judennot", vornehmlich für die Agitation in Mittel- und Westeuropa, eines der verbreitetsten Schlagworte geworden. Es gab viele, welche den Zionismus unter keiner anderen Motivation kannten als der Unterdrückung grausamer Regierungen einerseits, allgemeiner Völkerfremdheit und -gehässigkeit andrerseits, im ganzen einer prekären, schwankenden, allerdings auch unfreien und unwürdigen Lebensform des größten Teiles des jüdischen Volkes. Aber auch für die der Zeit nach weiter zurückreichenden Anfänge der chowewe-zionistischen Bewegung in Rußland mußte der unmittelbare Eindruck der damaligen Judenpogrome einen starken Antrieb bilden. Gegenüber den philanthropischen Plänen einer Alliance Israelite, an welche sich die faktische Kolonisation sofort anlehnen mußte, um nicht materiell wieder zusammenzubrechen, bestand das Neue nicht in einem äußerlich neuen Wirklichkeitsziel, sondern in dem Charakter der Träger dieser Bewegung, die ihrem eigenen Werke eine schwärmerische Liebe entgegenbrachten, während die seelenlos gewordenen Methoden der Großphilanthropie die Realität jener Faktoren nicht kannten, die auf der Basis

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