Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zion und die Jugend
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 99 (sequence 1)
- Language
- German
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ZION UND DIE JUGEND Eine Ansprache ie Jugend ist die ewige Glückschance der Menschheit, die ihr ewig von P J neuem dargebotene und von ihr ewig von neuem vertane Glückschance. Immer wieder tritt ein zwanzigjähriges Geschlecht auf den Plan, mit einer glühenden Sehnsucht nach dem Unbedingten, mit einer rückhaltlosen Hingabe an das Ideal, willig die verrammelte Pforte des Paradieses zu sprengen. Zwischen diesem Geschlecht und der Erfüllung steht immer wieder nur die Tat, die es tun will, auf die es sich zunächst bereiten will. Aber während es sich bereitet, ergreift das Getriebe der von der Gesellschaft dargebotenen kleinen Zwecke, ergreifen die Dämonen der eitlen Eigensucht, vornehmlich der Dämon des Mehr - gelten - wollens Besitz von diesen jungen Seelen. Wird ihnen doch von dem Verhalten der ganzen Umwelt die Wahrheit gepredigt, daß die sogenannten Tatsachen stärker seien als die Ideen, daß wir in eine Entwicklung eingestellt seien, in die wir nicht bewältigend und formend einzugreifen vermögen, und daß das Streben, dem Kultus des allmächtigen Nutzens zu entrinnen, den Widerspenstigen zu einem einsamen, verbannten, erfolglosen Eigenbrödler und Phantasten mache. Diese Lehre siegt über die Sehnsucht und die Hingabe; die reine Kraft, die sich anschickte, mit dem wahrhaften Leben auf Erden Ernst zu machen, wird unter das Joch der Lüge und des geistwidrigen Mittuns gezwungen, und die wenigen Widerspenstigen, von der Schar der Kampfgenossen verlassen, werden, wie ihnen prophezeit worden war, zu erfolglosen Eigenbrödlern. Das Getriebe ist wieder einmal gerettet, das Gesetz der Trägheit hat sich wieder einmal stärker erwiesen als der nach der Schaffung höherer Gesetzmäßigkeiten verlangende Aufschwung des entfesselten Geistes, die Glückschance der Menschheit ist wieder einmal vertan — und ein neues Geschlecht, eine neue Jugend steigt empor, zu gleichem Schicksal. Es ist nun aber Zeiten großer innerer und äußerer Krisen im Leben der Völker und der Menschheit eigentümlich, daß sie sich diesem Verhängnis nicht beugen wollen, daß sie sich gegen das Gesetz der Trägheit auflehnen und sich unterfangen, die unzerstreute Energie der Jugend zu retten und aus ihr ein Werk der Wandlung, der Erneuerung hervorgehen zu lassen. Diese Zeiten sprechen zu der Jugend mit feurigen Zungen, sie fordern von ihr, sie gebieten ihr, daß sie nicht erliege, daß sie widerstehe, daß sie sich bewahre, daß sie ihre Tat tue. Und die Jugend hört auf sie. Sie spannt sich in einer ungeheuren Anstrengung und streift Zwang und Lockung des Getriebes ab. Sie wagt das Unmögliche. Sie hält wie Josua zu Gibeon die Sonne am Himmel fest, auf daß das Werk vollendet werde. Sie bleibt um eine Stunde, um eine große Stunde länger Jugend und wirkt, was die Zeit der Wende ihr gebot. Es kann, soweit ich die Menschheitsgeschichte überschaue, dreierlei Element s^n, dem solch eine gebieterische Stimme innewohnt, es kann dreierlei Tat sein, dJe gefordert wird. Das erste ist die Rettung eines Volkstums, die Befreiung Heft 3 8