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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 2 · p. 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 2
Article
Zur Volksbildung der westrussischen Juden
Date
1918-01-01
Page
98 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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98 Daten und Materialien eigenen Namen nicht schreiben, viele Frauen schon vom 30. Jahre an. In der Altersklasse 41—50 sind schon die Hälfte der Frauen dazu nicht imstande, und in den höheren Altersklassen können es nur noch ganz wenige. Es mag gewagt scheinen, aus den kleinen absoluten Zahlen eines Landstädtchens allgemeine Schlüsse zu ziehen, aber die Ergebnisse dieser Tabellen — starker Bildungsdrang bei der Jugend, Schreibunkundigkeit bei einem großen Teile der älteren Generation — ist mir auch sonst in dieser Gegend, dem südlichen Teile des früheren Gouvernements Grodno, in dem ich während des Krieges viel herumgekommen bin, aufgefallen. Ich habe inSlonim, (gelegen an der Bahnstrecke Bialystok-Baranowitschi), einer Stadt, die im Frieden etwa 30000, jetzt nicht ganz die Hälfte Einwohner hat, darunter ca. 85°/0 Juden, mit Hilfe von etwa 50 jüdischen Zählern eine Volkszählung veranstaltet, deren interessante Ergebnisse ich leider infolge meines Weggangs nicht habe ausarbeiten können. Aber schon bei einer flüchtigen Durchsicht der Listen ist mir die große Anzahl der Analphabeten unter den älteren Juden aufgefallen. Sogar manche der in Slonim zahlreichen Thoraschreiber sind als Analphabeten bezeichnet worden. Ich bin daher mit einigen der Zähler, die in ihrem Bezirk jede Person genau kennen, die Listen Person für Person durchgegangen, und sie haben behauptet, daß die als schreibkundig aufgeführten Thoraschreiber sinnlos die Buchstaben nachmalen, ohne ihre Bedeutung zu kennen. Um die Bildung der jüdischen Jugend haben sich während des Krieges dieZionisten große Verdienste erworben. Sie haben allerorten Schulen ins Leben gerufen auf national jüdischer Grundlage. Hebräisch, Russisch und Deutsch werden, eine jede Sprache in ihrer Sprache, unterrichtet, ferner Erdkunde, Rechnen und allgemeine Fächer. Erleichtert wird der Unterricht dadurch, daß die Kinder die Sprachkenntnisse in die Schule mitbringen. Deutsch ist ihnen durch die Verwandtschaft mit dem Jüdischen, Russisch durch den Verkehr mit der Landesbevölkerung geläufig. Die Fortschritte der hebräischen Sprache als lebende Sprache sind erstaunlich, sie wird von einem großen Teil der Jugend beherrscht. Hans Block (Hannover) Für die Redaktion Terantwortlich: Dr. Max Mayer, Berlin W IS, Düsseldorfer Straße 23. — Für Osterreich-Ungarn: Dr, M. Präger, Wien I, Rotentunnstraße 22. — Verlag Ton R. Löwit, Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig«

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