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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 2 · p. 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 2
Article
Zur Volksbildung der westrussischen Juden
Date
1918-01-01
Page
97 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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DATEN UND MATERIALIEN Zur Volksbildung der westrussischen Juden Das Landstädtchen Chomsk liegt östlich von . Brest- Litowsk im südlichen Teile des ehemaligen Gouvernements Grodno zwischen Drobiczyn (im Süden) und Bereza-Kartuska (im Norden), etwa 30 km von der Eisenbahn entfernt, also, wie man sagen mag, fern ab von der Kultur. Die Bewohner sind zu etwa 85 °/0 Juden, nur an der Peripherie des Städtchens wohnen kleinrussische Bauern, die fast alle Analphabeten sind, einige wenige Kinder haben lesen und schreiben gelernt. Über die Bildung der Juden geben nachfolgende Ziffern Aufschluß. In den okkupierten Gebieten hat ein jeder Landeseinwohner über zwölf Jahre einen Personalnachweis bei sich zu führen, der eigenhändig mit Vor- und Zunamen zu unterschreiben ist. Von den Juden von , Chomsk haben ihren Personalausweis für 1916/1917 unterschrieben: Absolute Zahlen: Männer, Jahresklassen 12 bis 20 21 bis 30 3i bis 40 41 bis 50 5i bis 60 61 bis 70 über 70 zusammen lateinisch . russisch . . hebräisch . schreibunkundig . 12 27 31 5 18 16 20 4 14 12 15 3 5 10 16 13 8 10 22 12 2 3 16 12 2 8 9 59 80 128 58 zusammen 75 58 44 44 52 33 19 325 Frauen, Jahresklassen 12 bis 20 21 bis 30 3i bis 40 4i bis 50 5i bis 60 61 bis 70 über zu¬ 70 sammen lateinisch . russisch . . hebräisch . schreibunkundig . 30 26 56 12 15 17 37 12 2 4 24 18 I 7 24 31 I 3 13 40 2 6 38 3 11 49 59 163 162 zusammen 124 81 48 63 57 46 H 432 In diesen Tabellen fällt zunächst auf, daß die mittleren Altersklassen schwach vertreten sind. Die Erklärung ist leicht zu finden. Von den Juden pflegt ein Teil der jungen Leute, sobald sie erwachsen sind, vom Lande in die größeren Städte abzuwandern, und während des Krieges sind viele Juden der mittleren Altersklassen mit ihren Frauen beim Herannahen der deutschen Truppen in das Innere Rußlands geflüchtet. Der Wegzug dieser (im Durchschnitt intelligenteren) Leute beeinflußt die Statistik über Bildung ungünstig. Dierussischen Juden ,dielateinisch schreiben,, können auch russisch und hebräisch schreiben, diejenigen, die russisch schreiben, auch hebräisch. Von je 100 Personen der einzelnen Altersklassen schreiben also Männer, Jahresklassen 12 bis 20 21 bis 30 31 bis 40 41 bis 50 51 bis 60 61 bis 70 über 70 lateinisch . russisch . . hebräisch . unkundig . 16 52 93,3 6,7 31 58,6 93,1 6,9 31,8 59,i 93,2 6,8 11,4 34,2 70,5 29,5 15,4 34,6 76,9 23,1 6,1 15,2 63,7 36,3 10,6 52,7 47,3 100 100 100 100 i 100 100 100 Frauen, Jahresklassen 12 bis 20 21 bis 30 3i bis 40 4i bis 50 51 bis 60 61 bis 70 über 70 lateinisch . russisch . . hebräisch . unkundig . 24,2 45>2 90,3 9,7 18,6 39,5 85,2 14,8 4,2 12,5 62,5 37,5 1,6 12,7 50,8 49,2 i,7 7 29,8 70,2 4,4 17,4 82,6 21,4 78,6 100 100 100 100 100 1100 100 Die jungen Mädchen haben, wie die Ziffern zeigen, einen starken Bildungsdrang, fast mehr noch als die Jünglinge, die sich in halbgebildeten Familien mehr dem Talmudstudium zuwenden und erst, wenn sie erwachsen sind, Lücken der Bildung auszufüllen suchen. Die Zahl der Analphabeten ist unter der Jugend dieser entlegenen Landstadt gering, dagegen können viele Männer vom 40. Jahre an den

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