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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 1 · p. 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 1
Article
Zeit ist's [Rezension]
Date
1918-01-01
Page
43 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschau 43 ein ebenso hohes Einkommen als Lehrer im Gemeindedienste käme. Die Lehrer würden durch ihre Zugehörigkeit zu einer gelehrten Gesellschaft in ihrem Ansehen gestärkt werden und zugleich unter dem dauernden Einfluß eines bedeutenden wissenschaftlichen Betriebes stehen. Sie würden, selbst immer neu angeregt, eine neue Lebendigkeit in unser Gemeindeleben bringen. Die Kosten der „Akademie" veranschlagt Rosenzweig auf zehn Millionen Mark (ungefähr der Jahresetat der gesamten jüdischen Gemeinden Deutschlands). An diesem Vorschlage einer Akademie halte ich nur den Namen für verfehlt. Den Gedanken einer jüdischen Akademie der Wissenschaften hat Buber vor anderthalb Jahrzehnten ausgesprochen. Allein wenn diese Akademie dem großen Ziele einer Förderung jüdischer Wissenschaft dienen soll, dann darf sie nicht zugleich ein Stipendieninstitut für Lehrer sein. Mitglied einer Akademie zu werden, soll das ehrgeizige Streben unserer Lehrer sein; aber es darf nicht die materielle Voraussetzung werden, auf die sie ihre wirtschaftliche Zukunft gründen. Man gründe für die von Rosenzweig bezeichnete Aufgabe eine Schulgesellschaft; aber man verquicke ihren sehr wichtigen Zweck nicht mit dem ganz anderen, den eine Akademie haben muß. Nun aber grundsätzlich: das von Rosenzweig in Aussicht genommene Kapital ist beisammen, die Lehrer da, ist begründete Aussicht vorhanden, daß sich der Unterrichtserfolg gründlich ändert? Ich fürchte: Nein. (An Verbesserungsmöglichkeiten zweifle ich natürlich nicht.) Auch unsere Lehrer hatten guten Willen und unter den jungen Lehrern findet man allerorten welche, die sich redlich Mühe geben und dennoch ganz unzulängliche Resultate erzielen. Man sagt, die Stundenzahl sei gering. Das ist wahr, aber doch nur ein mechanischer Mangel. Dies ist vielmehr die Sache: Dem jüdischen Unterricht geht es, wie Rosenzweig ganz ausgezeichnet sagt: „um nichts Geringeres, als um die Einführung in eine derübrigenBildungswelt gegenüber wesentlich selbständige Jüdische Sphäre'! „Fügen wir hinzu: wesentlich fremde und entgegengesetzte Sphäre. Der all gemeine Unterricht ist von einer Geschichtsauffassung "durchdrungen, die zur jüdischen paßt wie die Faust aufs Auge. Dort ist das Ideal der Held und hier de r Heil ige! Unter diesen Umständen muß der jüdische Unterricht, zu dem der allgemeine keine Brücke schlägt und schlagen will, bloßes Anhängsel sein, für das der (im Gymnasium) in den.Idealen Roms oder (in der Realschule) in den Ideen des heutigen Gesellschaftslebens erzogene Schüler nur ein Lächeln übrig hat. Es gibt keinen anderen Ausweg als: die jüdischeSchule. Die Schule ist die Vollstreckerin eines gewissen Bildungsideals. Da wir ein ganz anderes Bildungsideal haben als diejenigen Faktoren, welche heute die Schule bestimmen, so bleibt nichts übrig, als den Willen zur eigenen Schule so stark und entschlossen zu machen, daß er sich durchsetzt. Alle andere Reform von zionistischer oder wohlmeinender deutsch-jüdischer Seite ist Stückwerk — des Augenblicks. Hugo Bergmann Zur Frage des Prophetismus Durch eine kleine Ironie der Geschichte begannen seit einer gewissen Zeit bestimmte Schichten innerhalb der westeuropäischen Judenheit eine ganz besondere Liebe zu den alten jüdischen Propheten und dem Geist des Prophetismus überhaupt an den Tag zu legen. Sie machten die überraschende Entdeckung, daß zwischen der erhabenen Mission der alten Propheten und ihrer eigenen segensreichen Tätigkeit eine auffallende Ähnlichkeit bestehe. Zwar betraf diese Ähnlichkeit einen einzigen Punkt, aber es war dies ein Punkt von wesentlicher und ausschlaggebender Bedeutung: der kosmopolitischen oder, um sich modern auszudrücken, der internationalen Gesinnung. Wie den Propheten zu ihrer Zeit eine eminente internationale Rolle beschieden war, so glaubten die erwähnnten Schichten zu einer ähnlichen Rolle auch in unserer Zeit berufen worden zu sein. Und so war es auch in der Tat: die Propheten entfalteten eine gewaltige internationale Tätigkeit vornehmlich im Bereiche des moralischen Gedankens — sie, die westeuropäischen Emanzipationsjuden, zeigten sich ungemein rührig vornehmlich im Bereiche der internationalwirtschaftlichen Vermittlungsdienste. Es war dies ein kleiner technischer Unterschied, den man leicht vernachlässigen konnte und auch sollte, wenn man das Hauptziel — die Internationalst aus den Augen nicht verlieren wollte. Man sonnte sich behaglich in den Strahlen der prophetischen Vergangenheit, die das Judentum mit einer erstklassigen Moral versorgte — einer prima Moral von nie sinkendem Kurse, die so durch und durch inter- und anational, so ganz und gar den Tendenzen und Bedürfnissen einer Weltwirtschaft angepaßt war. Man war ein Volk der Propheten . . * ein Volk? Das nicht, denn man war doch einmal inter- und anational. Indessen hatte es mit dieser Anationalität eine sonder-

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