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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 1 · p. 13

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 1
Article
Die Juden in der Weltpolitik
Date
1918-01-01
Page
13 (sequence 7)
Language
German
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Die Juden in der Weltpolitik 13 Wesentliches unwesentlich und Unwesentliches wesentlich macht. „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse heißen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen", ruft Jesaja (5, 20; über diesen „Mißbrauch des Geistes", die „Sünde wider den.heiligen Geist", vergleiche man auch die Schlußworte der Glosse „Mahnung"; „Der Jude" 1916, Heft 2). IV. Die weltpolitische Bedeutung der jüdischen Internationalität Reale Politik ist Machtpolitik, sie ist letzten Endes immer auf Schaffung, Aufhebung und Änderung von Machtverhältnissen gerichtet. Soweit sie die Mittel ihres Handelns nicht nach ihrem quantitativen machtschaffenden Wert beurteilt, ist sie unpolitisch. Sowohl der Gewalt- und der Tatsachen (Real)-, wie der Kulturpolitik ist diese Bewertung nach dem Machterfolg ihrer Mittel gemeinsam. Sie alle „rechnen" mit ihren verschiedenen Mitteln nur als „Faktoren" zur Vervielfältigung der Macht. Bisher war nur der einzelne Jude ein seit langem hocheingeschätzter politischer Faktor. Als Unterhändler, politische und wirtschaftliche Beziehungen herstellender, Informationen vermittelnder, ruhelos wacher und tätiger „Faktor" war er unerreicht. In diesem Kriege ist aber auch das jüdische Volk als solches ein Faktor geworden, ein Faktor zunächst im rein politischen Sinne; „mit dem man rechnen muß". Jedes, auch das kleinste Volk ist eine Potenz von einer politisch sich auswirkenden Kraft, die oft genug trotz ihrer Kleinheit den Ausschlag geben kann. Man kann seine Wünsche in die Richtung der eigenen Politik einschalten und ihre lebendige Energie in den eigenen Kraftstrom aufnehmen. Denkt man beispielsweise an die Wirkung der englischen Regierungserklärung für den Zionismus, dann begreift man, welchen politischen Wert (ganz abgesehen von der zu erwartenden unmittelbaren Förderung englischer Interessen durch die Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in der Nähe des Suez-Kanals mit englischer Mithilfe) schon die Schaffung einer Atmosphäre der Sympathie bei Juden und sogar Nichtjuden dieses auf den ersten Blick so gar nicht realpolitisch und höchst uneigennützig anmutende Meisterstück kluger Volkspsychologie und feinsten Verständnisses für politische Wirkungen hat. Wer sich bloß die ganz ungewöhnlichen, eben nur aus der internationalen Stellung des jüdischen Volkes erklärlichen mittelbaren Folgen der englischen Deklaration vor Augen hält, etwa die jüdischen Massendemonstrationen in Rußland und Amerika, die Sympathiekundgebungen der neutralen Presse, der ukrainischen Zentral-Rada, des amerikanischen Repräsentantenhauses, ja sogar des brasilianischen Parlaments, der wird, wenn er noch obendrein diese außerordentliche Wirkung mit den Folgen von Regierungserklärungen zugunsten anderer Völker vergleicht, verstehen, wie ungemein geschickt die englische Regierung handelte, als sie, als erste die Wichtigkeit der jüdischen Internationalität erkennend, jene Erklärung abgab. — Jede größere Menschengruppe ist ein gewichtiger Faktor schon in ihrer Isolierung. Man ermesse aber einmal die weltpolitische Bedeutung eines Volkes, das nicht in seiner räumlichen Wirkungsmöglichkeit begrenzt ist, sondern dessen politisches Betätigungsgebiet die ganze Welt ist und das im Gegensatz zu allen anderen Völkern kein Zentrum mit ein paar abgesplitterten, peripherischen Bruchteilen seiner territorial geschlossen wohnenden Majorität, sondern das überall in der Welt Zentren von annähernd derselben politischen Kapazität be-

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