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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 1 · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 1
Article
Die Judenfrage in Litauen
Date
1918-01-01
Page
7 (sequence 7)
Language
German
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Albrecht Hellmann: Die Juden in der Weltpolitik 7 Entwicklung der jüdischen Verhältnisse in Litauen hinzuwirken. Man kann nur wünschen, daß diese Einflußnahme vorbehaltlos und ohne jede Einschränkung im Sinne der nationalen Forderungen der litauischen Judenheit geschieht. Denn es ist wohl bekannt, daß das Zögern, mit dem die deutsche Regierung an die Lösung der jüdischen Frage im besetzten Gebiete überhaupt herantritt, nicht zum wenigsten auf die ablehnende oder zurückhaltende Stellungnahme der deutschen Juden gegenüber der nationalen Seite dieser Frage zurückzuführen ist. Insbesondere die schmähliche und den Interessen aller Beteiligten durchaus abträgliche Art der Regelung oder vielmehr Nichtregelung der jüdischen Verhältnisse in Polen findet auch heute noch ihre starke Stütze in den Kreisen der deutschen Judenheit. Inzwischen haben sich die Dinge weiter entwickelt, als es manchem jüdischen Gegner des jüdischen Nationalbegriffes in Deutschland noch vor kurzem möglich erschien, und man kann jetzt schon den Tag dämmern sehen, an dem die Judenfrage in Polen anders geordnet werden muß, und an dem auch die deutschen Juden durch die Macht der Tatsachen gezwungen sind, eine nachträgliche grundlegende Korrektur ihrer Stellungnahme vorzunehmen. Um so mehr wäre es zu begrüßen, wenn die Vertreter der deutschen Judenheit in der Frage der litauischen Juden eine mehr vorausschauende Politik betrieben. Theodor Behr DIE JUDEN IN DER WELTPOLITIK i. Der Internationalismus TJ\s wäre eine interessante und dankbare Aufgabe, den sprach- und geistes- ELd geschichtlichen Nachweis zu führen, wie sich der Begriff der Menschheit von dem Begriff des Menschen herleitet. Die Idee der Menschheit in ihrer politischen Bedeutung ist das Ergebnis der geistigen Umwälzung, welche die französische Revolution als die Verkünderin der Menschenrechte mit sich brachte, jener Rechte des einzelnen Menschen als Vernunft- und geistbegabten Wesens, dessen Dasein schon sein unverkürzbares, unteilbares, also buchstäblich individuelles Recht auf allgemeine Geltung und Anerkennung in sich einschließt. Damit wurde zum ersten Mal in der neuzeitlichen Geschichte eine Tat vollbracht, deren Gehalt an bewußter und reiner, ja geradezu abstrakter Geistigkeit und deren Mangel an realpolitischer Zielsetzung sie weit über alle früheren und bis auf unsere Tage auch alle späteren politischen Handlungen hinaus erhebt. Das Wesen des Menschen als Trägers eines natürlichen, unveräußerlichen Rechtes erhielt durch die Statuierung der allgemeinen Menschenrechte einen politischen Hintergrund von einer ungeheuren Weite und Tiefe. Wenn auch der Gedanke der Autonomie des Einzelmenschen, dessen geschichtliche Entwicklungslinie von den Zeiten der Propheten und des Urchristentums über Martin Luther und ihren gewaltigen Gipfelpunkt in dem großen Gedankengebäude Immanuel Kants bis in die Gegenwart der russischen revolutionären Demokratie und des von ihr verkündeten Selbstbestimmungsrechtes der Völker führt, damals noch nicht das politische Widerspiel in Frankreich gegenüber seiner philosophischen Formulierung in Deutschland gefunden hatte, weil naturgemäß die Tendenzen der Befreiung stärker waren als die der selbstgewollten und freigewählten Bindung,

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