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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 12 · p. 759

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 12
Article
Die Aufführung jüdischer Volksmusik vor Westjuden
Date
1917-01-01
Page
759 (sequence 1)
Language
German
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Fritz Mordec hai Kaufmann: Die Aufführung jüdischer Volksmusik vor Westjuden 759 DIE AUFFÜHRUNG JÜDISCHER VOLKSMUSIK VOR WESTJÜDEN Vierfach verschieden und von Mal zu Mal eine mindere Stufe der Interpretation künstlerischer Gegenstände darstellend ist im Westen die Einführung und die Vorführung ostjüdischer Kulturwerke denkbar. In ihrer vollendeten Form würde sie durch einen Gestaltenden geschehen, der in außerordentlich eigenwilliger Haltung das bedeutsame Fremde als ein weiteres Stück Erde und Unendlichkeit an sich reißt. Im reinen Gebot eines formenden Willens umgedichtet und bezwungen läge hier die einsame und folgenreiche Angelegenheit eines schöpferischen Menschen vor, unermeßlich, weil die Zeit und die Endlichkeit ihrer Ziele außerhalb geblieben sind. Hölderlins Pindaroden und einige von den Übertragungen Stefan Georges sind im Umkreis des Deutschen als Dichtung solchen Ranges anzusprechen. Ihrer hohen Art nahekommen würde ein künstlerisches Tun, das in großem Entzücken die fremden Werke über sich Gewalt gewinnen ließ, vielleicht nur, um das Weltbild und die Menschlichkeit der eigenen Gemeinschaft zu erweitern, damit die Summe schöner und wichtiger Gegenstände um einen, dessen besondere Bedeutung bis dahin unbekannt war, ihr vermehrt wird. Ein solches Tun würde wohl zweckhaft sein, aber durch den edelsten Antrieb legitimiert, indem es ganz Humanität ist und mehr und Strengeres von sich fordert als das, was kunstgewerblerische Philologen und der Propagator völkischer Ideale in der Absicht haben. Während bis hierher das Fehlen aller groben, auf das Gegenwärtige zielenden Absichtlichkeit dafür bürgt, daß solches Werk die entdeckten Dinge nicht der innewohnenden Größe entkleidet, so daß ein Fremdartiges in einer neuen Totalität noch einmal wie am ersten Tage die Lebendigen beseligt, muß die Übertragung arge Trübung erleiden, wenn, der sie unternimmt, aus dem kurzen Atem seiner Umwelt sich fristet. Dann langt die Geste, mit der er gestaltet, nicht kühn nach einem Unermeßlichen herauf, sondern ahmt die unreinen und verwirrten Gebärden nach, die in Hast um die Ziele dieser Zeit sind. Die letzte Entseelung jedoch erfährt das Werk der Interpretation, wenn nicht einmal diese kurz tragenden Antriebe seine unzulängliche Ausführung rechtfertigen und frech und schamlos die Habgier der Straße sich seiner bemächtigt. Es bezeichnet den Zustand der westjüdischen Öffentlichkeit, zumal wo sie durch Zeitung und Zeitschrift repräsentiert wird, daß Dinge dieser minderen Art — ihre Übertragung sei noch so lüderlich, der Geschmack, der ihnen das Original wählte, auch unzulässig verwildert — noch immer des gemeinen Beifalls gewiß sind, selbst aus den Kreisen derer, die sich nationaljüdisch nennen, aber den Sinn und das Verpflichtende der hier aufgestellten Maße nicht innehaben. # # * Aus der Natur des einmal und endgültig geschaffenen musikalischen Kunstwerks ist es indessen begreiflich, daß die soeben vorgefundenen Unterscheidungen sich notwendig verengern müssen, sobald man die Stufen betrachtet, die der Interpretation jüdischer Volksmusik eigentümlich sein können. Da hier die Wesenheiten des Kunstwerks: Wortlaut, Rhythmus und Klang ehern zusammengefügt sind, für alle Zeit und jedes Ohr in eine unzerlegbare Einheit gebannt

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