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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 12 · p. 754

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 12
Article
Nationale Ideologien im Judentum der Gegenwart
Date
1917-01-01
Page
754 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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754 Oskar Epstein: jüdischer Jugend an sich, die, dem Banner Theodor Herzls leidenschaftlich ergeben, bedingungslos folgen. Die volle Stoßkraft nur geht dieser Gruppe ab, seitdem ihr die Macht einer starken politischen Persönlichkeit fehlt. Die andere Kraft geht von den Intellektualisten aus, oder — wem dieser Name lieber ist — von den „geistigen Zionisten", von den „Geistigen" unter den Nationalen. Sehen wir vom Persönlichen ab, so übt der nationale Intellektualismus seine Kraft nach zwei Richtungen hin: die positive Geistigkeit beschenkt uns mit Blüten und Früchten aus dem Gebiete der beiden nationalen Sprachen des Judentums, seiner Poesie, Literatur und Kunst; dem intellektualistischen Kritizismus aber fällt die Aufgabe zu, alle Erscheinungen im Umkreis des Nationalen mit unbestechlichem Blick zu begleiten, und was fragwürdig ist im Nationalismus, gewissenhaft aufzudecken. Denn von den Nationalismen der Anderen und leider auch von unserem eigenen her wissen wir es: es ist nicht alles gut und es ist nicht alles schön an und in ihm. Daher stellt sich die Forderung ein, einer Kritik nicht bloß der besonderen nationalen Ideologien*), sondern auch des Nationalismus überhaupt Zu diesem Zwecke wird es aber notwendig sein, auch das anationale und antinalionale Judentum in die Betrachtung einzubeziehen. Dann erweitert sich aber der Rahmen von selber: das Judentum als Gesamtheit und als Besonderheit in seiner Stellung zu den Völkern, mit und unter denen es lebt: so wird die Frage gestellt nach dem Kulturzusammenhang des Judentums mit den anderen Völkern. Und in welch einem Augenblick, in welcher Schicksalstunde wird diese Frage gestellt! Können wir an das Problem des Judentums herangehen, ohne daß unser Auge zum gewaltigen und furchtbaren Geschehen dieser Zeiten sich wendete? Von der Entscheidung der Völkergeschicke wird unser eigenes mit abhängen: dann aber wird die innere Entscheidung an uns selbst herantreten. Bereit machen sollten wir uns aber jetzt schon, indem wir uns mit strengem Ernst und in strenger Prüfung dessen, was wir wollen und was wir können, im Problem des Judentums national besinnen, ohne unsere berechtigte und edle Leidenschaft für das, was schöpferisch ist im Nationalen, schädigen und dämpfen zu müssen. Baden bei Wien Bernard Tag DIE ERZIEHUNG UNSERER KINDER UND UNSER LEBEN Der Münchner Professor der Pädagogik Friedrich Wilhelm Foerster, der durch sein mannhaftes Eintreten für einen Verständigungsfrieden in weiteren Kreisen bekannt ist, hat mit erfreulicher Bestimmtheit in seinen Schriften zum Ausdruck gebracht, daß die wichtigste Vorbedingung für eine richtige Erziehung darin besteht, ein klares Ziel vor Augen zu haben. Man muß zuerst wissen, wozu man einen Menschen erzieht, was man aus ihm machen will, um über die Mittel nachsinnen zu können, die zu diesem Ziele führen. Ja, diese Mittel finden sich, wenn nur das Ziel klar vor Augen liegt, meist von selbst, aber eben auf das Ziel kommt es an. Foerster meint nun, daß gerade in unserer Zeit die *) Vgl. hierzu „Nationale Ideologien" im 3. und 4. Hefte der „Neuösterreichischen Blätter", Jahrgang 1917.

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