Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die nationale Gliederung in Galizien und der Bukowina
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 726 (sequence 2)
- Language
- German
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726 Daten und Materialien Schon hier sehen wir, daß bei der agrarischen Grundbevölkerung nicht die Polen, sondern die Ruthenen die Vorhand haben. In den eigentlichen wirtschaftlichen Berufen (B und C) besteht allerdings ein erdrückendes Übergewicht der Polen, indessen, wie wir gleich sehen werden, nur in der Fiktion. Subtrahieren wir nämlich von den polnischen die jüdischen Ziffern (nach der Konfessionstabelle) so ändert sich das Bild wie folgt: Polen Ruthenen Juden Gruppe A. . 516924 569183 13292 Gruppe B . . 44874 12402 33305 Gruppe C. - 21676 7508 89657 Gruppe D . . 126165 564H 31897 709639 645507 168151 Es ergibt sich also, daß in der Landwirtschaft die Ruthenen, im Handel und Verkehr die Juden die führende Rolle innehaben. In Industrie und Gewerbe haben Juden und Ruthenen zusammen zumindest die absolute Majorität (45707 gegen 44874 Polen), und wenn man die ganzen wirtschaftlichen Berufe (Industrie, Gewerbe, Handel undVerkehr) zusammenfaßt, zeigt sich, daß die Juden allein das Doppelte des polnischen Anteils für sich beanspruchen (122 962 gegen 66 550)! Und nur in der Gruppe C (Militärdienst, Bürokratie, freie Berufe) herrschen die Polen unbestritten. Haben wir uns bisher auf die Selbständigen aller Berufe beschränkt, so wollen wir nunmehr die insgesamt Berufstätigen derselben Betrachtung unterziehen: I. Offizielle Tabelle (Umgangssprache). Polen Ruthenen Gruppe A (Land- und Forstwirtschaft) .... 1727234 1797362 Gruppe B (Industrie und 254740 34087 Gruppe C (Handel und 254268 23658 Gruppe D (Militär, Bürokratie, freie Berufe etc. 243317 89215 2479559 1944322 II. Dieselbe Tabelle nach Aussonderung der Juden. Polen Ruthenen Juden Gruppe A . 1681168 1797362 46066 Gruppe B . 176049 34087 78691 Gruppe C . 79557 23658 174711 Gruppe D . 200043 89215 43274 2136 817 , 1944322 342742 Also dasselbe Bild, Und ergänzen wir schließlich noch die Berufstätigen durch ihre Angehörigen, so erhalten wir als Gesamtbevölkerung (Berufszugehörige): I. Offizielle Tabelle. Polen Ruthenen Gruppe A. . . 2881034 2943097 Gruppe B. . . 642620 81903 Gruppe C . . . 686602 58988 Gruppe D . . . 4599H 124037 4670167 3208025 IL Richtiggestellte Tabelle. Polen Ruthenen Juden Gruppe A . . 2787563 2943097 93471 Gruppe B . . 428436 81903 214184 Gruppe C . . 224598 58988 462004 Gruppe D, . 357766 124037 102145 3798363 3208025 871804 jg]Kürzt man schließlich diese Gliederung auf die drei Hauptgruppen; A Bodenbearbeitung, B Wirtschaftsleben (Industrie und Handel) C Verwaltung, so ergibt sich: Polen Ruthenen Juden Gruppe A . . 2787563 2943097 93471 Gruppe B . . 653034 140 891 676188 Gruppe C . . 357766 124037 102145 3798363 3208025 871804 Das Endresultat lautet also: 1. Galizien ist ein Agrarland par excellence, dessen (agrarische) Grundbevölkerung eine vorwiegend ruthenische und erst in zweiter Linie eine polnische ist. 2. Auf dieser Grundschicht erhebt sich ein Wirtschaftsgebäude, das überwiegend jüdisch und erst in zweiter Linie polnisch ist. 3. Auf beiden aber ruht eine bürokratische Oberschicht, eine „herrschende Kaste", die eine unverhältnismäßig vorwiegend polnische ist. Begreift man nun die Manöver mit der jiddischen „Umgangssprache"? Die Bukowina. Hier liegen die Verhältnisse etwas anders und ein wenig komplizierter. In Galizien stehen sich im wesentlichen nur zwei Nationen gegenüber, zwischen deren Sprachen die Juden zu optieren haben: Polen und Ruthenen. Und daß sie hierbei fast ausschließlich die polnische wählen, wurde bereits erwähnt. In der Bukowina spielt das polnische Ele-