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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 702

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Vierhundert Jahre türkisches Palästina
Date
1917-01-01
Page
702 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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R. Salman: VIERHUNDERT JAHRE TÜRKISCHES PALÄSTINA (1517-1917) In unseren Tagen, da die Herrschaft über Palästina von neuem zum Streitobjekt der Großmächte geworden ist, hat sich das vierte Jahrhundert vollendet, seit das Ottomanische Reich die Führung der Geschicke Syriens und Palästinas übernommen hat. Mit kleinen Unterbrechungen, die keinen tiefen Einschnitt in das Leben der Provinz bedeuteten — etwa im Jahre 1800 während des Napoleonischen Siegeszuges und in den Jahren 1832/1840 während des Aufstands des ägyptischen Khedives Mohammed Ali — herrschte Konstantinopel ruhig und sicher über das Heilige Land, das stets die Aufmerksamkeit aller politischen Mächte Europas auf sich zog und ihre Gelüste reizte. Im Laufe dieser vier Jahrhunderte wurde die Türkei zur politischen Großmacht und Vorderasien zum Schauplatz der kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Betätigung aller weltlichen und kirchlichen Mächte der Welt, die hier miteinander wetteiferten. Was bedeutet die Tatsache der türkischen Herrschaft vom Gesichtspunkt der jüdischen Siedlung aus und wie wirkten diese vier Jahrhunderte auf die Gestaltung des gesamten Judentums, das seiner Zerstreuung zum Trotz den Schwerpunkt seines Lebens im Lande seiner Freiheit fühlte und ihn dort fühlbar zu machen strebte?- Der Beginn der türkischen Herrschaft in Palästina war verheißungsvoll. Die Stunde, in der Sultan Selim I. den Mameluckensultan besiegt und Palästina an die Türkei angegliedert hatte, war für die jüdische Geschichte eine schicksalschwere: zwei Jahrzehnte nach der Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal, inmitten der großen jüdischen Wanderung von Süd nach Ost Von Verzweiflung durchschüttert und zu umwälzenden Taten reif stand das Volk am Scheidewege. Die gehetzten Exulanten-Massen ließen sich überall dort nieder, wo es nur ein Wirtsvolk gab, das ihnen diese Niederlassung gestattete, in Afrika, in der europäischen Türkei, in Holland, in Flandern und in Italien und schenkten ihre Erfahrung, ihr Vermögen und ihre Fähigkeit jedem Lande, das davon Gebrauch machen wollte. Das Herz des Volkes aber konnte an keiner dieser neuen Niederlassungsstätten mehr Gefallen finden. Nirgends glühte mehr die Liebe für die Kultur und Geisteswelt des Wirtsvolkes, wodurch sich die Exulanten in ihrem früheren Heimatlande so ausgezeichnet hatten. Es war, als hätte das enttäuschte Volk das Vertrauen zu jedem „Wirt" verloren. In der Tat, wenn selbst Kastilien untreu werden konnte, welcher Verlaß war dann auf ein neues fremdes Land, auf das man zufällig auf dem Wanderwege gestoßen war? Die Generation, dieam eigenen Leibe die letzte Konsequenz des„Seins unter den Völkern" — die Vertreibung — erlebt hatte, konnte nicht mehr von den Kompromissen und Zugeständnissen dieses Seins verlockt werden. Und eine große Sehnsucht ergriff das Volk, beherrschte sein Denken und Tun und machte es für jede Hoffnung empfänglich: die alte Sehnsucht nach Heimat, nach Sicherheit, nach Zion. In diesem Augenblick des neu erwachten jüdischen Palästinadranges vollzog sich der Sieg des türkischen Sultans im Orient, und das Land der jüdischen Hoffnung wurde zur Provinz des Ottomanischen Reiches. Hätten sich die Juden damals unter allen Herrschern der Erde einen für sie wünschenswerteren Souverän wählen können, um ihm das Schicksal ihres Landes anzuvertrauen?

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