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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 678

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Jüdische Jugendgärten
Date
1917-01-01
Page
678 (sequence 1)
Language
German
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678 David Katz: JÜDISCHE JUGENDGÄRTEN Mit den folgenden Ausführungen wende ich mich an die jüdische Jugend und ihre Organisationen, und zwar an alle, unbeschadet ihrer besonderen Stellungnahme zu religiösen oder politischen Fragen, Es gilt ein neues Feld der Betätigung: die jüdischen Jugendorganisationen mögen durch die Begründung von Jugendgärten die heranwachsende Generation wieder in ein glücklicheres Verhältnis zur Natur bringen, um so ein Wesentliches zu ihrer körperlichen und geistigen Gesundung beizutragen. Der bis jetzt kaum ernsthaft gemachte Versuch, den Westjuden der Natur zurückzugewinnen und in ihm die Liebe zur Scholle wieder zu erwecken* muß unternommen werden; er darf mit Aussicht auf Erfolg begonnen werden, wenn er sich an den Idealismus und die offene, der Natur leicht gewinnbare Sinnesart der Jugend wendet. Unser Verhältnis zur Natur ist von Grund aus zerstört, an den verderblichen Folgeerscheinungen der Lösung unserer naturhaften Bindung hat der Einzelne und hat die Gesamtheit schwer zu tragen. Für unsere Zukunft hängt viel davon ab, ob wir allen schädlichen Einflüssen einer zwangsläufigen historischen .Entwicklung zum Trotz noch so viel von alten Instinkten gerettet haben* daß diese bei liebevoller Pflege wieder zu einiger Kraft zu entwickeln sind, und die Entfremdung zur Natur zu überwinden vermögen. Die Tatsachen der jüdischen Kolonisation in Palästina heißen uns Vertrauen in die in uns schlummernden Kräfte haben. Wir dürfen auch auf die jüdischen Bauern z. B. in Südrußland hinweisen, die als Obstzüchter Hervorragendes leisten und die eine geradezu heilige Liebe zu ihrer Arbeit an der Scholle bezeugen. Auch manche Beobachtungen, die man während des Krieges machen konnte, lassen eine solche Hoffnung zu. Es ist eine sonderbare Fügung des Schicksals, daß der Krieg es war, der viele von uns erneut mit der friedlichen Arbeit an der Scholle bekannt gemacht hat. Der Stellungskrieg mit seinen mannigfachen landwirtschaftlichen Arbeiten hinter der Front hat viele jüdische Soldaten die gar nicht geahnten Freuden des Dienstes an der Erde wieder kennen lernen lassen; manchen mag es hochgemut und nachdenklich zugleich gestimmt haben, als er die Schollen auf französischem oder polnischem Boden umwarf: mitten im blutigen Ringen des Weltkriegs nahm er diejenige friedliche Tätigkeit wieder auf, der die Väter vor Tausenden von Jahren auf heiliger Erde nachgehen durften. Man weist gern und mit Recht auf die hohe Geistigkeit des Judentums als eine seiner hervorstechendsten und rühmlichsten Eigenschaften hin; sie kann aber auf die Dauer nicht die ausschließliche Richtkraft unserer Seele bleiben, ohne unserer geistigen Gesundheit Eintrag zu tun. Wir müssen versuchen, ihr eine Gegenkraft in dem Zug zum Naturhaften zu schaffen. Die jüdische Seele , muß wieder in befruchtenden Kontakt mit dem Ganzen der Natur treten, wenn ihre Geistigkeit nicht dauernd von historischen Beständen zehren soll. Unsere Jugend hat bereits begonnen, indem sie sich auf die Wanderschaft begab, der Natur wieder von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten. Sie ist auf dem besten Weg, sich auf ihren Streifen ein ehrliches, durch keine Reflexionen gebrochenes Verhältnis zu Feld und Wald und zu ihrer Tierwelt zurückzugewinnen. Man leihe dieser Wanderbewegung jede nur mögliche Hilfe, auch hier vollzieht sich ein wichtiger Teil unserer Renaissance. Aber die vom Jugend-

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