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Der Jude · 1916-05-01 · Heft 2 (Mai 1916) · p. 115

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 2 (Mai 1916)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1916-05-01
Page
115 (sequence 4)
Language
German
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Jüdische Volkslieder "5 — Nein, Voter, nein, usw. Der Chet vun tausend Waiber Wet doch bai ihm sain! Darum will ich sitzen usw. — Tochter du main, Liebste du fain, Ahron ha-Koihen geiht usw. — Nein, Voter, nein, usw. Der Chet vun dem Eigel Wet doch bai ihm sain! Darum will ich sitzen usw. — Tochter du main, Liebste du fain, Moische Rabeinu Geit in der Welt arein. Er geiht, er geiht, er geiht, —- Far a lieben Chosson-Mann, Geih-ze, nehm ihm on! — Je, Voter, je, Dos kenn greilich sain, As Moische Rabeinu Soll main Mann sain! Er wet sitzen verzigTogaf'n Himmel, Wet er mir kennen mfarness sain. — Nein, Vater, nein, Das kann nicht geschehn, Die Schuld um tausend Frauen Wird mit ihm erstehn. Drum will ich sitzen usw. — Tochter du mein, Liebste du fem, Ahron, der Priester, geht usw. — Nein, Vater, nein, Das kann nicht geschehn, Die Schuld um das Kalb Wird mit ihm erstehn. Drum will ich sitzen usw. — Tochter du mein, Liebste du fein, Mose, unser Lehrer, geht In die Welt hinein, Er geht, er geht, er geht, — Als lieber Bräutigams-Mann, So geh und nimm ihn an. — Ja, Vater, ja, So nur wird recht geschehn, Daß du mir Mose, unsern Lehrer, Zum Gatten wirst ersehn. Er wird vierzig Tage im Himmel weilen, So wird er recht mein Dasein teilen. Ginsburg und Marek Nr. Y- Gott bietet Israel, seinem Kinde, seinem Schoßtöchterchen, einen Gatten an. Sie schlägt Adam, Noah, die Erzväter, David, Salomon und Ahron aus, — Moses, aber, den Fleckenlosen, nimmt sie an. Alle Erkenntnis ist zwischen den Verhandlungen, zwischen Gott und Israel: vor Adam schon weiß das erwählte Kind alle Dinge, alle Schuld und alle erwünschte Wonne. Taktvoll wird Ahronj obwohl er vor den großen Königen lebt, zuerst übersprungen und später, dem Bruder zuliebe, vor diesem genannt. Die Sünden, die die Bibel größtenteils nur als Tatsachen, ohne Anklage mitteilt, sind hier deutlich als solche bezeichnet. Die Tatsachen sind durch die Zeit, die die Richterin ist, gegangen. Und diese erkennt die Schuld des Mose, die Gott selber als solche ausdrücklich nennt (IV. Mos. 20, 12), als keine an und spricht ihn gänzlich frei, so daß nur er, der einzig Würdige, Israel als Ernährer zuerkannt wird. Poetisch schön ist der wiederkehrende Vers „Er geht, er geht, er geht" — da sieht man durch den imaginären Raum die hehren, halb unmenschlichen Gestalten wandeln. Tief ist auch der Sinn des „M'farnes". Israel will versorgt sein, das hört sich prosaisch und praktisch an: „wird er mich ernähren können?", fragt stets die Tochter. Sie meint aber nicht die gewöhnliche Tagesnahrung, sondern nur die geistige Heilung und Speisung, denn sie begründet 8*

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